Hinrundenfazit Teil 1 (Zahlen und grobe Bewertung)

Es wird zwei Teile des Hinrundenfazits geben. Der erste Teil beschäftigt sich vorwiegend mit Statistiken und einer groben Einordnung der ersten 17 Spiele. Der zweite Teil soll dann die Charakteristiken des Freiburger Spiels in der bisherigen Saison beschreiben.

1. Grobe Bewertung

Ziel des SC Freiburg war und ist diese Saison – wie so häufig – der Klassenerhalt. Interessanterweise ist dies meistens mit der Hoffnung verbunden, auch nie so richtig in die Nähe der Plätze 16 bis 18 zu kommen, ganz unabhängig davon, wie der Spielplan ausfällt. Es geht also um die so häufig beschworene „ruhige Saison“.
Ausgehend von dieser Erwartungshaltung kann man zumindest mit dem Tabellenstand nach der Hinrunde zufrieden sein: Platz 11 mit 21 Punkten und 21:25 Toren bedeutet 7 Punkte Abstand auf Platz 16 und 10 Punkte Abstand auf Platz 17. Falls Stuttgart und Hannover sich im Winter verstärken und einige taktische Mängel beheben, könnte es zwar noch einmal eng werden, allerdings bräuchte es dafür gleichzeitig eine deutlich schlechtere Rückrunde des Sportclubs. Man hat das Erreichen des Ziels sozusagen in der eigenen Hand. Für optimistische Träumer sei noch der geringe Abstand zu Platz 7 erwähnt, der nur 4 Punkte und 13 Tore beträgt.

Um das Ergebnis ein bisschen besser einordnen zu können, bietet sich der Vergleich mit den letzten beiden Saisons an, an deren Ende einmal ein überraschender siebter Platz stand und einmal der Abstieg erst am letzten Spieltag verhindert werden konnte. Dieses Jahr liegt man mit 21 Punkten genau zwischen den Hinrundenergebnissen dieser Saisons: 23 Punkte (Platz 9) und 19 Punkte (Platz 13). Die Tendenz nach 17 Spieltagen liegt also ziemlich genau zwischen diesen beiden Polen und weist somit in Richtung gesicherter Mittelfeldplatz.

Beim Vergleich mit den Hinrunden der letzten Saisons gibt es zwei weitere Auffälligkeiten. Das Torverhältnis hat sich mit 21:25 gegenüber den beiden Vorsaisons mit 17:31 und 22:29, gerade was die Gegentore angeht, deutlich verbessert. Hohe Niederlagen waren bisher eine Seltenheit und man konnte Spiele auch mal mit mehr als einem Tor Abstand gewinnen. In der letzten Saison gab es das nur einmal: am 34. Spieltag gegen Augsburg. Auch das Problem in fremden Stadien kaum punkten zu können, wurde (sehr) leicht abgeschwächt. Mit 8 Punkten und 8:14 Toren nach 8 Spielen belegt der Sportclub Rang 13 der Auswärtstabelle. Letztes Jahr waren es nur 5 Punkte und 9:25 Tore. In der Saison, die mit Platz 7 abgeschlossen wurde, kam der SC Freiburg in der Hinrunde zwar auch auf 8 Punkte (12:18 Tore), brauchte dafür aber 9 Spiele.

2. Weitere Zahlen der Hinrunde 2018/19

Siege gegen: Wolfsburg, Schalke, Mönchengladbach, Leipzig und Nürnberg. (15 Punkte)
Unentschieden gegen: Stuttgart, Leverkusen, Berlin, München, Bremen und Hannover. (6 Punkte)
Niederlagen gegen: Frankfurt, Hoffenheim, Augsburg, Mainz, Dortmund und Düsseldorf.

2.1 Zahlen zur Offensive

Von den 21 geschossenen Toren erzielte der SC Freiburg 10 aus dem offenen Spiel heraus, 4 nach Standards, ebenfalls 4 durch Strafstöße, 2 durch Konter und 1 durch ein Eigentor.

Mit durchschnittlich 44,9 % Ballbesitz belegt Freiburg gemeinsam mit Nürnberg Platz 16 der Liga. Nur Düsseldorf hat seltener den Ball. Dafür reicht es bei der Passquote (75,8 %) immerhin zu einem (mit den Rasenballsportlern geteilten) 14. Platz vor Düsseldorf, Frankfurt und Augsburg.
5,8 Dribblings pro Spiel reichen nur für Platz 17. Bremen ist letzter mit 5,7, Dortmund, Schalke und Bayern kommen deutlich über 10.

Mit 143 Flanken aus dem Spiel heraus belegt man Platz 15.

Pro Spiel gab der Sportclub 12 Torschüsse ab (Platz 15), davon kamen 4,7 auf das Tor (Platz 11) und 1,2 ins Tor (Platz 12). Der xG-Wert nach 17 Spieltagen beträgt 21,82 (Platz 14).

2.2 Zahlen zur Defensive

Die 25 kassierten Treffer: 14 aus dem offenen Spiel, 7 durch Standards, 3 durch Strafstöße und 1 nach Konter.

16,1 Schüsse des Gegners pro Spiel sind der drittschlechteste Wert der Liga, die 1,47 Gegentreffer in 90 Minuten führen den SC allerdings auf Platz 10. Der xG-Wert für Gegentore ist mit 28 zwar höher als die tatsächlich kassierten Tore, stellt allerdings ebenfalls den 10. Platz in der Bundesliga dar.
Dabei kann man auch schon einen ersten Namen nennen, der diese Statistiken erklären kann, aufgrund seiner Position aber beim unten folgenden Abschnitt zu den Spielern ohnehin nicht besonders gut mit den anderen verglichen werden kann. Alexander Schwolow steht mit 64 Paraden Ligaweit auf dem 2. Platz in der Statistik gehaltene Schüsse. Das ist hinter Michael Esser und vor Ron-Robert Zieler und Jiri Pavlenka. 1,8 Paraden pro Spiel resultierten allerdings von Schüssen außerhalb des Strafraums (Platz 1 mit Hannover und Augsburg), während man bei Paraden durch Schüsse von innerhalb des Strafraums und des Fünfmeterraums auf Platz 10 und 11 liegt. Freiburg lässt also einen Großteil der Schüsse auf das Tor nur durch Distanzschüsse zu, was einem Torhüter (wenn ihn Statistiken interessieren würden) durchaus entgegenkommt.

Es gibt noch eine weitere auffällige Defensivstatistik. Dabei geht es um „clearances per game“, also geklärte Situationen, bei denen der SC Freiburg mit 27,4 deutlich den ersten Platz belegt.

120 gelaufene Kilometer pro Spiel sind nach Hoffenheim und Leverkusen die meisten, 3408 Sprints reichen allerdings nur für Platz 15.

Mit 396 gewonnenen Kopfballduellen belegt man Platz 7.

3. Interpretation

Vorneweg: Gerade was einzelne Spiele angeht, bin ich bei Statistiken sehr skeptisch, da sie den Spielverlauf ausblenden. Bsp.: Ein früher Rückstand gegen eine Mittelfeldmannschaft, die sich dann tendenziell auf das tiefere Verteidigen und Kontern konzentriert, ergibt meist einen vergleichsweise hohen Ballbesitzwert, eine gute Passquote, viele Schüsse und Flanken, aber wenig Schüsse auf das Tor. Eine lange Führung bewirkt das Gegenteil. Andererseits – so die Hoffnung – gleicht sich das nach 17 Spieltagen ein wenig aus. Zudem sind die Zahlen ein ganz gutes Mittel, die eigenen Eindrücke zu prüfen, da man als Fan des Vereins vielleicht ein wenig dazu tendiert, Leistungen positiver zu sehen, als sie sind, beziehungsweise man sich von den letzten drei Spielen mehr beeinflussen lässt als von den Spieltagen vier, fünf und sechs.

1. Aus den Spielen gegen die fünf besten Teams der Liga holte der SC Freiburg insgesamt 10 Punkte bei 10:5 Toren. Gegen die fünf schlechtesten Teams waren es 5 Punkte bei 6:10 Toren. Bleiben also 6 Punkte aus 7 Spielen gegen Mittelfeldmannschaften bei 5:10 Toren. Damit bestätigt sich eine Tendenz aus der letzten Saison, in der man auch schon mit einer guten Defensivtaktik gegen dominierende Mannschaften mithalten konnte, gegen schlechtere tief stehende Gegner aber Probleme hatte.
Allerdings liegen gleich bei diesem ersten Punkt meine Erinnerungen an die Spiele mit den Zahlen ein wenig im Konflikt. Gerade gegen Wolfsburg und Leipzig profitierte Freiburg enorm vom Spielverlauf. Gegen Bremen, Frankfurt, Stuttgart und teilweise Hoffenheim ließ man sich die Spiele eher durch Unaufmerksamkeiten oder mangelnde Chancenverwertung aus der Hand nehmen, scheiterte also nicht an einem fehlenden Offensivkonzept. Die Tendenz kann man nicht leugnen, ist aber in den Ergebnissen vielleicht etwas zu stark zu beobachten. Denn verbesserte Ansätze im Spiel mit dem Ball waren über diese Hinrunde – gerade zu Beginn – deutlich zu erkennen.

2. Um die Einschränkung nicht zu sehr zu betonen: Ballbesitz und Passquote zeigen eindeutig, dass der Sportclub keine Ballbesitzmannschaft im klassischen Sinne ist und häufig dem Gegner das Spiel überlässt.

3. Im Gegensatz zur letzten Rückrunde kommt man allerdings zu genug eigenen Abschlüssen. Anzahl der Tore, Torschüsse, expected Goals usw. sind nur ein wenig unter dem Platz, den man auch tatsächlich in der Tabelle belegt.

4. Diese Verbesserung im Vergleich zur letzten Hinrunde geht allerdings nicht auf Kosten der Defensive, die die beste der letzten drei Hinrunden ist. Der Sportclub lässt zwar viele Torschüsse zu, aber diese werden meist von ungünstigen Positionen abgegeben.

5. Der Wert bei Dribblings ist meist ein ganz guter Indikator für individuelle Klasse der offensiven Mittelfeldspieler. Es ist wenig überraschend, dass Freiburg hier nicht so gut dasteht und eher mit anderen Mitteln vor das Tor kommt.

6. Die Laufstatistik ist recht interessant, da sie zu der typischen Spielweise unter Streich dazugehört. Ein guter Wert bei den gesammelten Kilometern und ein schlechter Wert bei Sprints. Das würde ich als gute Grundordnung (starkes Verschieben der ganzen Mannschaft) interpretieren, die dann eher selten zu intensiven Einzelduellen führt.

7. Auffällig sind die Probleme bei Standardsituationen (4:7 Tore). Eigentlich ist das eine Stärke der letzten Saisons gewesen. Gerade nach Ecken zeigte man sich offensiv harmlos und defensiv anfällig, was bei vielen engen Spielen einen großen Einfluss haben kann. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich dies durch einen talentierten Standardschützen in der Rückrunde ändern wird.

 

4. Ausgewählte Spielerstatistiken

Tore: Waldschmidt (5), Petersen (3), Frantz, Gondorf, Höler, Sallai (2), Heintz, Niederlechner, Gulde, Koch (1).
Assists: Günter, Kübler (2), Heintz, Waldschmidt, Haberer, Frantz (1).

Passquote: Höfler (84%), Gulde (82%), Stenzel (81%), Waldschmidt (81%), Heintz (81%), Koch (80%).
Dribblings pro 90 Minuten: Günter und Haberer (1,1).
Schüsse auf das Tor: Waldschmidt (39) belegt damit Platz 18 im ligaweiten Vergleich.
Flanken aus dem Spiel heraus: Günter (42) belegt damit Platz 13 im ligaweiten Vergleich.

Clearances per game: Heintz (7; ligaweit Platz 2 hinter Pavard!), Gulde (4,1), Koch (3,2), Höfler (3,1), Kübler (2,6).
Tackles per game: Haberer (2,5), Höfler (2,5), Stenzel (2,4), Kübler (1,9).
Interceptions per game: Kübler (1,9), Koch (1,6), Höfler (1,5), Haberer (1,4), Heintz (1,3).

Durchgespielt (1530 Minuten) haben Günter, Schwolow und Heintz. Gulde fehlen dazu nur 45 Minuten. Koch, Frantz und Haberer kommen auf knapp über 1000 Minuten. Petersen, Höfler und Waldschmidt spielten etwas weniger als 1000 Minuten.

Kicker Notendurchschnitt: Scholow (2,62), Sallai (3,17), Waldschmidt (3,21), Gulde (3,26), Günter (3,32), Haberer (3,33). Schwolow steht somit insgesamt auf Platz 7! Wenn er so weiterspielt, wird er nicht mehr lange beim SC Freiburg im Tor stehen.

4.1 Auffälligkeiten

Die Zahlen überraschen nicht so richtig und bestätigen den festen Kern des Freiburger Kaders dieser Hinrunde. Schwolow, Heintz, Gulde, Günter, die sich abwechselnden Kübler und Stenzel, Koch, Höfler, Haberer, Waldschmidt und mit Abstrichen Petersen prägten das Bild der bisherigen Saison.

Es wird auch deutlich, dass der Ausfall von Höfler (beste Passquote und unter den Top 4 in allen drei Defensivstatistiken) nicht unproblematisch ist.

Auffällig und dann in dieser Eindeutigkeit doch ein wenig überraschend sind die Statistiken von Waldschmidt. Wenn man die Spiele gesehen hat, bemerkte man zwar, dass er dem Freiburger Spiel mehr Kreativität im Angriff verleihen konnte und somit auch häufig von seinen Mitspielern gesucht wurde, aber nahm ihn nicht unbedingt als den zentralen Spieler wahr. Mit 6 Scorerpunkten hat er doppelt so viele, wie Petersen und Frantz, er gab die meisten Schüsse auf das Tor ab (3,15/ 90 Minuten), bereitete nach Terrazzino und Günter die meisten Torschüsse vor (1,39/ 90 Minuten) und hat als offensiver Spieler eine sehr gute Passquote. Er wurde jeweils 7 Mal ein- und ausgewechselt. Waldschmidt scheint dann doch ziemlich eindeutig (zumindest eindeutiger als von mir wahrgenommen) der wichtigste Offensivspieler des SC Freiburg in dieser Hinrunde gewesen zu sein.

Aufgrund der guten Kicker-Note habe ich noch ein paar Zahlen von Sallai zusammengetragen: 2 Tore, 2,43 Schüsse auf das Tor/ 90 Minuten und 1,01 Torschussvorlagen/ 90 Minuten. Sallai spielte bisher nur 444 Minuten, hat sein Potenzial dabei aber schon angekündigt.

Das war es auch schon mit dem ersten – für meinen Geschmack – ein bisschen trockenen Teil, der länger geworden ist, als ich es vorhatte. Ich hoffe, der zweite Teil wird etwas lebendiger.

 

Statistiken sind von kicker.de, whoscored.com und understat.com.
 

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