Heynckes' letzter Besuch im Breisgau

Bedingt durch eine Erkältung fällt der Text etwas kürzer und unbearbeiteter als sonst aus. Bei Formulierungen, Wiederholungen, usw. bitte ich um Nachsicht (freundliche Hinweise sind kein Problem).

1. Die erste Halbzeit

Bayern reiste leicht Ersatzgeschwächt in den Breisgau. Die offensiven Flügelspieler Coman, Ribery und Robben hatten alle mit größeren und kleineren Verletzungen zu kämpfen und waren nicht fit für das Spiel. Und trotzdem äußerten sich diese Probleme nur auf einer Position. Der linke Flügel wurde von dem Außenverteidiger Bernat besetzt. Das Prunkstück der Mannschaft und die Grundlage der Münchner Dominanz in der Liga war allerdings voll einsatzbereit. Es geht um die Innenverteidigung. Hummels und Boateng (auch Süle und Martinez) vereinen Kopfball- und Zweikampfstärke mit spielerischer Klasse und Pressingresistenz. Es ist der deutlichste Unterschied zu Dortmund oder Leipzig.

Beim Sportclub konnte man hingegen einen Rückkehrer begrüßen. Lienhart rückte nach längerer Verletzungspause für Terrazzino in die Startformation. Streich ließ mit Fünferkette spielen, einer Art 5-2-1-2/ 3-4-3:

----Petersen-------------Höler------
----------------Haberer---------------
-----------Koch------Abrashi--------
Günter-----------------------Stenzel
--Söyüncü----Gulde---Lienhart--
---------------Schwolow-------------

Petersen und Höler liefen Boateng und Hummels an, während Haberer sich um Vidal kümmerte. Wie so häufig tauschten die drei auch ab und zu die Positionen. Im Mittelfeld orientierten sich Koch und Abrashi an Tollisso und Thiago. Wurden die Außenverteidiger Alaba und Kimmich mit in den bayrischen Aufbau einbezogen, rückten Stenzel und Günter teilweise bis ins letzte Drittel auf, um Druck auf sie auszuüben. Diese Bewegungen wurden von den äußeren Innenverteidigern Söyüncü und Lienhart abgesichert, die sich dann um Bayerns Flügelspieler kümmern mussten.

Gerade zu Beginn war Freiburg sehr griffig gegen den Ball. Der FC Bayern schien etwas überrascht zu sein, dass auch ihre Außenverteidiger keine Freiräume bekamen und nicht für Entlastung sorgen konnten. So entstand die größte Freiburger Chance nach Ballgewinn. Erst wurde Müller unter Druck gesetzt, wodurch Petersen an den Ball kam und nachdem Boateng die Situation fast geklärt hatte, kamen Günter und Haberer hinzu, die den Ball eroberten. Der schöne Pass von Haberer auf Höler wurde leider nicht vergoldet, da Ulreich Hölers Abschluss herausragend parierte.

Doch auch mit dem Ball konnte der Sportclub etwas anfangen. Dies lag teilweise an einem zwar gut organisiertem, aber nicht ganz so intensivem Pressing der Münchner. Freiburg konnte den Ball häufig über einen bestimmten Zeitraum in den eigenen Reihen halten, bevor sie zum langen Ball gezwungen wurden. Gerade Guldes Rolle im Aufbau war interessant und erinnerte an Schusters Spiel gegen Hannover in der Hinrunde (http://www.zerstreuung-fussball.de/content/streich-lernt-vom-gegnerische...). Gegen den Ball spielte Gulde den zentralen Innenverteidiger. Bei eigenem Spielaufbau rückte er aber häufig ins Mittelfeld, vor die Innenverteidigung auf. Auch wenn er nicht direkt angespielt werden konnte, öffneten sich einerseits Räume für den zurückfallenden Stenzel, der dadurch einige spielauslösende Szenen hatte, oder es ermöglichte Abrashi und Koch weiter aufzurücken, damit sie um die zweiten Bälle nach langen Schlägen von Söyüncü und Schwolow kämpfen konnten.

Etwa 20 Minuten lang, schaffte es Freiburg mit den Bayern mitzuhalten. Nicht nur taktisch agierte der Sportclub währenddessen auf höchstem Niveau, sondern auch individuell wuchsen einige Spieler über sich hinaus. Stenzel hatte mehrere saubere Ballgewinne gegen Bernat und tolle Spielverlagerungen, die offensiven Drei spielten häufig deutlich sauberere Kombinationen als in den Spielen zuvor und auch Abrashi war präsent und ballsicher beim Umschalten.

Mit der Zeit stellten sich die Münchner besser auf Freiburg ein. Günter und Stenzel wurden mehr aus dem Spiel genommen und Thiago wurde etwas aktiver. Diese Veränderung wirkte sich sofort auf den Spielstand aus. Zwar müssen auch Bayern-Fans zugeben, dass das Tor von Müller etwas glücklich zustande kam, aber der Pass von Hummels auf den einstartenden Raumdeuter war ganz große Klasse. Fast noch besser war dann der Distanzschuss von Tollisso zum 0:2. Trotz der verbesserten Spielanlage und immer mehr Chancen der Bayern, war die Führung zur Halbzeit noch nicht ganz verdient (expected Goals nach 45 min.: 0,42:0,55).

2. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause brachte Streich Höfler und Kath für Lienhart und Abrashi. Er stellte auf ein 4-4-2 um. Man hatte das Spiel also noch nicht ganz aufgegeben. Das Pressing wurde etwas wilder und intensiver, doch blieb es durch Bayerns verbessertes Passspiel wirkungslos. Spätestens nach dem dritten Tor war das Spiel auch objektiv entschieden. Auch, wenn man das dem Spiel nicht unbedingt ansah. Freiburg versuchte weiterhin nach vorne zu spielen und Bayern arbeitete nach eigenem Ballverlust weiter diszipliniert nach hinten. So wurde den Freiburgern ein Anschlusstreffer verwehrt, der durchaus verdient gewesen wäre.

3. Fazit

Zwei kurze Gedanken zum Abschluss: Die These Bayern hätte eine B-Elf auf das Feld geschickt und sich zu Beginn deswegen so schwergetan, ist weder ganz richtig, noch vollkommen falsch. Mit Hummels, Müller, Thiago, Boateng, Kimmich, Alaba, usw. kann man natürlich nur schwer von einer zweiten Mannschaft sprechen. Dass auf der linken Seite ein Flügelspieler fehlte, war aber deutlich zu sehen. Am Ende des Spiels hatte Freiburg mehr (!!!) erfolgreiche Dribblings als die Bayern. Ein weiterer Unterschied zum Hinspiel, war die Besetzung der Sechserposition. Martinez' Bewegungen sind deutlich intelligenter, als die von Vidal. Wenn es darum geht eine diszipliniert anlaufende erste Pressinglinie zu umspielen, wäre der Spanier die bessere Option gewesen. Doch die Bayern sind nicht die einzigen in der Liga, die mit Ausfällen zu kämpfen haben. Man sollte bedenken, dass Bernat beim Sportclub auch auf dem linken Flügel der absolute Starspieler wäre.

Zweitens. Die Herangehensweise an das Spiel war mutig, aber nicht kopflos. Im Gegensatz zum Hinspiel kassierte der Sportclub die ersten beiden Treffer nicht durch die eigene Naivität, sondern durch die individuelle Klasse der Bayern. Dass man selbst nach dem deutlichen Rückstand zur Pause noch einmal auf den Anschlusstreffer ging, ist ein klares Signal an die kommenden Gegner. Man wird sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lassen. Auch wenn man sich durch diese Einstellung so manche deutliche Niederlage eingebrockt hat, konnte man dadurch auch einige Partien drehen. Freiburg hat die meisten Punkte nach Rückstand aller Bundesligisten geholt.
Freiburg hatte bis auf ein paar Szenen eigentlich einen guten Tag. Die Bayern aber leider auch.

Nachtrag: Streich sagte, er arbeite an spielerischen Lösungen. Auch wenn es gegen die Bayern nicht das Wichtigste ist, konnte man sehen, dass er diese Aussage durchaus ernst meinte. Gegen Berlin kann man in diese Richtung wieder etwas mehr erwarten.

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