Hertha BSC : SC Freiburg 0 : 0

1. Aufstellung

Als die Freiburger Aufstellung verkündet wurde, konnte man etwas überrascht sein. Höfler saß auf der Bank und Ravet war nicht einmal im Kader. Zweiterer fiel kurzfristig aufgrund einer Muskelverhärtung aus. Ob Höfler noch nicht ganz fit war oder Streich Abrashi einfach für die bessere Wahl hielt, ist unsicher.

Der Sportclub entschied sich für die 4-4-2 Formation gegen Herthas 4-2-3-1. 

-----Petersen------Kleindienst----
Haberer------------------------Höler
----------Koch------Abrashi---------
Günter------------------------Kübler
------Söyüncü--------Gulde--------
---------------Schwolow-------------

So hatte man gegen die beiden gegnerischen auch jeweils zwei eigene Spieler auf den Außen. Berlins ruhiger, einschläfernde Spielaufbau ist immer eine besondere Aufgabe für das normalerweise sehr aktive Pressing der freiburger. Der Berliner Sechser fiel zwischen die Innenverteidiger zurück, wodurch eine Dreierkette entstand. So hatten sie immer eine Überzahl gegen die beiden anlaufenden Stürmer. Die Berliner Außenverteidiger rückten auf und wurden nur selten in diese langwierige Ballzirkulation mit eingebunden. So waren auch Haberer und Höler gebunden und konnten nicht mit ins Pressing eingreifen, ohne eine Anspielstation zu öffnen. Dass Abrashi den abkippenden Sechser bis ganz nach vorne verfolgte, um mehr Druck aufzubauen, passierte fast nie (wäre aber auch riskant gewesen). Die aufbauende Dreierkette passte sich also meistens geduldig den Ball hin und her, um die Freiburger zu locken. Doch wie schon in den letzten Partien gegen Berlin schaffte es Freiburg ebenso geduldig zu verschieben und die Passwege ins Mittelfeld und auf die Außen zu versperren. Situationen, in denen man den Ball erobern könnte, entstanden dadurch aber nicht.

Die erste halbe Stunde ging klar an die Heimmannschaft. Dies lag vor allem daran, dass der Sportclub einige Fehlpässe spielte und wichtige Zweikämpfe im Mittelfeld verlor. Koch, Günter und Höler brauchten einige Zeit, um ins Spiel zu finden. In den ersten 30 Minuten kam Berlin durch die aktiven Offensivspieler Lazaro und Weiser zu 5 mehr oder weniger klaren Chancen, während Freiburg nach vorne nur wenig zustande brachte. Torschüsse nach 30 Min.: 9 : 0. Mit etwas Glück und einer guten Leistung von Schwolow überstand man diese Phase ohne Gegentor.

In der 29. Minute musste Abrashi das Feld verletzt verlassen. Mit dem für ihn eingewechselten Höfler, verbesserte sich die Situation zunehmend. Ab dann konnte den Ball etwas länger in den eigenen Reihen halten, kam ins letzte Drittel und hatte sogar noch zwei geblockte Schüsse in der ersten Halbzeit. Gleichzeitig konnte man sehen, dass auch der hinteren Reihe diese Entlastung sehr entgegenkam. Die Abwehraktionen wurden wieder etwas sicherer und man gewann mehr Duelle um lose Bälle.

2. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause knüpfte der Sportclub an den letzten 15 Minuten der ersten Hälfte an. Eine Mischung aus flachem Aufbau langen Bälle brachte die Freiburger nach vorne und es kam wieder  zu kleineren Offensivaktionen. Zwischen der 52. und 57. Minute kann man sogar von einer kleinen Druckphase sprechen, in der es einige Freiburger Ecken gab. Wirklich klare Torchancen ergaben sich daraus aber nicht. Dardai reagierte und brachte Selke und Duda für Ibisevic und Kalou. Danach kam Berlin wieder besser rein und es wurde ein ausgeglichenes, aber zähes Spiel. Lazaro hatte noch einen Abschluss im Strafraum, bei dem aber deutlich zu wenig Druck hinter den Ball gebracht wurde. Auf der anderen Seite konnte Haberer nach gewonnenem Zweikampf im Mittelfeld über links durchlaufen, auf Kleindienst passen, der diese herausragende Ausgangsposition aber aufgrund eines Fehlers bei der Ballannahme nicht für sich nutzen konnte.

Fazit: Hertha verpasste es in den ersten sehr guten 30 Minuten ein Tor zu erzielen. Danach hatte Freiburg bis zur 60. Minute ein leichtes (sehr leichtes) Übergewicht. Die Einwechslung von Höfler war entscheidend dafür. In den letzten Minuten des Spiels sahen die Fans zwei gute Defensivmannschaften, von denen keiner das große Risiko gehen wollte. Diesem Spielverlauf entsprechend endete es 0 : 0.

Auf der PK nach dem Spiel sagte Dardai, es sei der Plan gewesen, die ersten 30 Minuten sehr aggressiv ins Pressing zu gehen und viel Aufwand nach vorne zu betreiben. Länger wäre das nicht möglich gewesen. Die Aussage passt gut zum Spielverlauf.

Vom Stenzel-Fan noch ein abschließender Satz: Kübler hat auch mit dem Ball ein recht gutes Spiel gemacht.

3. Freiburg in der Rückrunde

Der Spielaufbau wird besser. Flache Pässe über den Rechtsverteidiger oder direkt ins Mittelfeld ersetzen immer häufiger den normal gewordenen langen Ball. Doch, selbst wenn man ins letzte Drittel kommt, fehlt es an Präzision. Ich verweise auf die ersten beiden Teile des letzten Textes auf dem Blog, in dem diese Problematik besprochen wird: http://www.zerstreuung-fussball.de/content/letztes-zwischenfazit

In acht von neun Spielen hat Freiburg kein Tor aus dem Spiel heraus geschossen. Es liegt nicht daran, dass man sich nur hinten rein stellt. Vielmehr fehlt es etwas an Qualität im Offensivspiel. Man versucht es, aber schafft es einfach nicht. Haberer bräuchte noch mindestens einen zusätzlichen kombinationsstarken Mitspieler in der vordersten Reihe. Dies könnte Ravet sein, aber auch nur, wenn er fit und gut in Form ist. Die Unterstützung aus dem Mittelfeld hatte sich mit Höfler schon stark verbessert.

Doch diese Offensivprobleme sollen die gute defensive Leistung nicht schmälern. Die Punkteausbeute ist weiterhin gut. Noch in der Hinrunde hatte man in allen Auswärtsspielen (ausgenommen Bremen) mindestens(!) drei Gegentore kassiert. In der Rückrunde sieht das schon deutlich besser aus.
Streich erinnert auch zu Recht daran, dass man von einem Koch, einem Kleindienst oder einem Höler (alle letzte Saison 2. Liga) nicht so viel verlangen kann. Natürlich könnte man es daran festmachen, dass sie anstatt von Grifo, Philipp, Niederlechner und Frantz spielen. Aber die sind nun mal nicht da. Diese drei Freiburger Neuzugänge haben durchaus Potenzial und übertreffen eigentlich gerade alle Erwartungen – vor allem defensiv. In dem Sinne, dass man es offensiv versucht, momentan aber einfach die Qualität fehlt und man die Defensivleistung trotzdem anerkennen muss, kommt es auch zu folgender, sehr treffenden Aussage von Streich: „Ich will nicht 0 : 0 spielen. Ich will lieber 3 : 2 gewinnen. Aber wenn man nicht 3 : 2 gewinnen kann, dann spielen wir halt 0 : 0.“ https://www.scfreiburg.com/interview/interviews-nach-dem-26-spieltag-201718

Diesen Pragmatismus hätte man ihm vor dem Abstieg gar nicht zugetraut.

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