Das Ausscheiden in der Europaleague-Qualifikation

 

1. Lieber keine Dreifachbelastung?

Kaum war das Rückspiel gegen NK Domzale abgepfiffen, sprachen einige Fans schon vom ersten Schritt in Richtung Klassenerhalt. Auch wenn einem als Freiburgfan das Verlieren durchaus nicht unbekannt ist, kam diese Reaktion doch etwas plötzlich und schien eher einem, sich selbst tröstendem Bedürfnis, nach einer sehr schlechten Partie, zu entspringen. Denn auch wenn die Aussage, dass die Europaleague den Klassenerhalt gefährden kann, absolut nachvollziehbar ist, überwiegt 10 Minuten nach Abpfiff doch eher das enttäuschte Gefühl, sich als Favorit nicht durchgesetzt zu haben.

Die Probleme mit der Europaleague sind nun schon oft diskutiert worden. Lange Reisen, viele Spiele, also große Belastung für einen zu kleinen finanziellen Mehrwert. Zudem erhöht sich dadurch die Gefahr von Verletzungen. Gerade die schwächeren Bundesligaklubs können bei einmaligem erreichen des kleinen internationalen Wettbewerbs keinen Kader aufbauen, der diese Mehrfachbelastung tragen könnte. Das wahrscheinlich größte Problem liegt darin, dass der Mannschaft alle intensive Trainingseinheiten und die akribische Gegnervorbereitung wegfallen. Spielformen können also nicht mehr richtig auf dem Trainingsplatz eingeübt werden, sondern mit dem Video während der Regenerationszeit, im Besprechungsraum. Zudem müssen die Kaderspieler, die nicht zum Einsatz kommen, die Belastung in kleinen Trainingsgruppen, ohne die spielende Mannschaft nachholen und können noch schwerer integriert werden, als sonst.

Und trotzdem ist die Europaleague für den SC Freiburg ein lohnendes Ziel. Das Gefühl der Fans, die das Ausland bereisen können oder auch mal Donnerstags den Sportclub im Fernseher bejubeln wollen, statt halb interessiert Schalke gegen Baku zu sehen. Zusätzlich ist das Storytelling des SC Freiburgs mit der Europaleague einfach ein anderes. Peter Neururer stellt ja die gewagte These in den Raum, Streich sei ein erfolgreichere Trainer, als Guardiola. Sein Argument ist: Klassenerhalt – Europaleague – Abstieg – Aufstieg – Europaleague. Auch wenn seine These auch so noch diskutabel ist, würde er sie nicht aufstellen, wenn es Klassenerhalt – Abstieg – Aufstieg – Klassenerhalt heißen würde. Dann würde es auch Lieberknecht mit dem Guardiolavergleich treffen.

Die Europaleague ist das Maximum, das der SC Freiburg erreichen kann. Dadurch, dass er sie ab und zu erreicht, wird der Sportclub interessanter für Sympathisanten, potentielle Neuverpflichtungen und wechselwillige Spieler. Sicher ist die Kaderplanung nicht einfacher mit der Europaleague, aber sie eröffnet einem auch neue Möglichkeiten.

Natürlich sieht man den Sportclub lieber gegen Fürth gewinnen, als gegen Leverkusen verlieren und ebenso ist jedem der Klassenerhalt wichtiger, als Spiele gegen Hajduk Split. Doch man darf nicht vergessen, dass weder in der 2. Bundesliga automatisch über 70 Tore geschossen werden und man auch ohne die Dreifachbelastung absteigen kann. Besonders, wenn man so spielt wie im Rückspiel gegen Domzale. Doch beginnen wir mit dem Hinspiel.

2. Ein Hinspiel mit guten Ansätzen

--------------Petersen------Niederlechner-------------------
Frantz---------------------------------------------Kleindienst
--------------Abrashi-----------Höfler------------------------
Günter------Söyüncü----------Lienhart--------Stenzel-----

Christian Streich schickte die gleichen Spieler auf das Feld, wie im letzten Testspiel gegen Rotterdam. (Ich fühle mich übrigens teilweise Bestätigt in den Beobachtungen des Testspiels. Stenzel spielt durchaus eine größere Rolle im Spielaufbau, als letztes Jahr, gibt aber nicht wirklich den eingerückten Außenverteidiger in der Offensive: http://www.zerstreuung-fussball.de/content/der-letzte-test-vor-dem-erste...)
Eine Änderung zu diesem Testspiel, konnte man vor allem in der Variabilität in der Spielauslösung sehen. Gegen Rotterdam wurden die verschiedenen Aufbaumöglichkeiten konsequent in aufeinanderfolgenden Phasen ausgespielt. 

1. Zu Beginn die Dreierkette mit einem tief bleibenden Stenzel, Lienhart und Söyüncü, während Günter aufrückte, Frantz nach innen schob und Höfler/Abrashi im Mittelfeld blieben. 
2. Dann das rechts Abkippen von Höfler, wodurch Stenzel ähnlich weit aufrückte wie Günter und sich Kleindienst offensiv zentraler anbieten konnte.
3. Schlussendlich noch die Möglichkeit, dass die beiden Innenverteidiger die Spielauslösung alleine übernahmen. Mit kurzen Pässen ins Mittelfeld, langen Bällen auf Petersen, Pässe auf die aufgerückten Außenverteidiger, lange flache Pässe auf die zurückfallenden Kleindienst, Frantz, Niederlechner oder kleineren Vorstößen.

Im Hinspiel gegen Domzale sah es nun so aus, als ob die Spieler deutlich eigenständiger entschieden, welche Aufbauvariante gerade am besten Funktioniert und diese häufig wechselten. Durch diesen gut ausgeführten flexiblen Aufbau, konnte auch der eine pressende Stürmer von Domzales 4-1-4-1 problemlos überspielt werden. 
In der gegnerischen Hälfte konnte man, analog zum Freiburger Aufbau, viele verschiedene Versuche zum Torerfolg zu kommen, erkennen. Flanken aus dem Halbfeld, Flanken von der Grundlinie, Kombinationen vor dem Strafraum, Distanzschüsse, kleinere Dribblings. Natürlich nicht auf dem Niveau einer Topmannschaft, aber man hatte das Gefühl ein recht gut eingespieltes Team zu sehen, dass etwas mit dem Ball anfangen möchte. Gerade bei den Flanken konnte man die Risikobereitschaft des Sportclubs sehen, da sich dabei häufiger auch vier oder fünf Spieler im Strafraum befanden. Freiburg hatte die Rolle des Favoriten angenommen.

Trotz dieser offensiven Ausrichtung gelang es Freiburg häufige Konter des Gegners zu unterbinden. Das lag aber weniger an einer taktischen Anpassung, sondern der konsequenten Ausführung des altbekannten 4-4-2-Pressings. Die einzige defensive Auffälligkeit war, dass sich Freiburg phasenweise sehr weit zurückzog, um dann wieder mal sehr hoch zu pressen und sogar systematisch den Torwart anlief, was man dann doch seltener bei den Breisgauern beobachten kann. Diese kleinen Details änderten aber nichts am prinzipiellen Charakter des Freiburger Defensivsystems.

Zusammenfassend war es ein gutes Spiel von Freiburg, in dieser frühen Phase. Variabel im Aufbau, halbwegs Dominant und defensiv stabil. Natürlich gab es kleinere Chancen für den Gegner, die zu einem Gegentor hätten führen können, aber auch 2:0 wäre verdient gewesen. Petersen schießt zwar scharfe und platzierte Elfmeter, aber immer nur tief. Spekuliert der Torwart auf die richtige Ecke, sieht es schlecht aus. Dass mach ihn eben zu einem nur durchschnittlichen Schützen.

3. Freiburg kommt nicht mit dem Pressing klar

Die PK vor dem Rückspiel schaffte es mal wieder in die Presse. Meiner Meinung nach hatte sie das auch verdient. Allerdings nicht wegen eines sympathischen Kommentars zur Unwichtigkeit von Farben des Ausweichtrikots oder einer viel zu kurz geratenen und deswegen auch falschen Kritik an der kapitalistischen Vergesellschaftung, die sich nur auf die Erscheinungsebene, also das Geld bezog. Sondern weil Streich einige Einblicke in die Besonderheiten einer Vorbereitung mit Europaleague-Qualifikation gab und heftige Kritik am 1. FC Magdeburg und Polens U21 übte. Der letztes Jahr ausgeliehene Florian Kath wurde nach Streich wieder viel zu früh eingesetzt und Kapustka müsste jetzt wohl auch, nach der Überbelastung, länger aufgebaut werden, wie erhofft. Ziemlich deutliche Worte, die wenig Beachtung fanden. Zusätzlich bewertete Streich das Hinspiel deutlich kritischer, als man es erwarten konnte. Die langen Ballbesitzphasen von Domzale hatten ihm nicht gefallen und er forderte ein griffigeres Pressing der eigenen Mannschaft.
Vielleicht resultierte auch daraus der Wechsel von Kleindienst zu Ignjovski. Somit spielte Stenzel auf der rechten Mittelfeldposition, wodurch mehr defensives Verständnis in die vordersten Reihe kommen sollte.

Nach diesem schlechten Rückspiel beginnt man vielleicht mit dem Positiven. Die vorderen Vier waren sehr Variabel. Bis auf Petersen, der das Zentrum besetzte tauschten Frantz, Stenzel und Niederlechner häufig die Positionen. Immer wieder ließ sich einer von ihnen zurückfallen, um von den Innenverteidigern/ den Sechsern, angespielt zu werden. In der ersten Halbzeit übernahm vor allem Stenzel diese Rolle. Das Problem war dabei, dass Stenzel durchaus Schwächen in engen Räumen offenbarte. Seine Stärken liegen weniger in der guten Ballverarbeitung und engen Ballführung, als vielmehr in seiner Übersicht und Ruhe. Die Rolle als Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Mittelfeld liegt ihm wohl mehr als die vom Mittelfeld zum Angriff. Diese wurde allerdings sehr gut von Haberer, nach seiner Einwechslung ausgefüllt. Insgesamt war der Auftritt der Offensive ohne Ball in Ansätzen gar nicht so schlecht. Gerade die Positionswechsel erinnern an Streichs beste Saison mit Kruse, Rosenthal, usw.

Allerdings kam man gar nicht so oft kontrolliert nach vorne. Domzale zog die richtigen Schlüsse aus dem Hinspiel und setzte Freiburg mächtig unter Druck. Aus dem einen pressenden Stürmer wurden mindestens zwei und teilweise kam ein dritter mit dazu. Das scheint Streich nicht erwartet zu haben. Mit dem erhöhten Druck wäre ein Stenzel als Rechtsverteidiger besser gewesen, der eine deutlich größere Entlastung für die Innenverteidiger dargestellt hätte, als Ignjovski. Lienhart und Söyüncü wirkten alleine gelassen, da auch Höfler in der ersten Halbzeit selten abkippte. So entstand auch der Elfmeter zum 1:0 nach Ballverlust im eigenen Drittel. Das Geschehen danach lässt sich fast nur noch mit Floskeln beschreiben. Freiburg erzeugte keine Durchschlagskraft, wirkte nicht gut vorbereitet auf den hohen Druck von einem euphorisierten Domzale und müde durch die Vorbereitung. Die Standards sahen einstudiert aus, aber ohne Grifo kam der Ball nicht dorthin, wo er sollte. Günter ist wohl als Ersatzschütze besser aufgehoben. Am Ende steht ein verdientes Ausscheiden gegen NK Domzale, nach erschreckend schwacher Reaktion auf den gegnerischen Druck. Sollte sich Freiburg hierbei nicht verbessern, wird man wohl gezwungen sein, in der Bundesliga noch mehr lange Bälle zu schlagen. Damit wäre aber einiges an Potential der Innenverteidiger verschenkt.

Allerdings muss man auch nicht alles schlecht machen. Die Mannschaft zeigte ein gutes Hinspiel und ein schlechtes Rückspiel, mitten in der Vorbereitung. Es ist zwar traurig Streich so fassungslos an der Seitenlinie zu sehen, aber nun hat er auch wieder etwas mehr Zeit für das Training mit der Mannschaft. Trotzdem war das kurze Abenteuer Europa schön. Qualifikationsrunden haben da einfach eine eigene Art der Spannung und Dynamik. Fällt in der 90. Minute noch das 2:1 wäre diese schlechte Leistung sofort vergessen gewesen. Nun schleppt man sie aber doch noch mit bis zum Bundesligastart. Nun wird es wohl wieder einige Zeit dauern, bis Streich sein neuntes internationales Pflichtspiel mit dem SC Freiburg bestreiten kann.

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