Borussia Dortmund - SC Freiburg

1. Ausrichtung und erste Halbzeit

Nach dem erfolgreichen Spiel gegen Leipzig wollte Christian Streich wohl so wenig Wechsel wie möglich vornehmen. Der nicht ganz fitte Stenzel wurde von Kübler ersetzt und Gikiewicz stand für Schwolow (Pferdekuss) im Tor. Ansonsten blieb das Personal, die Formation und die Spielanlage unverändert. Gegen den Ball spielte der Sportclub wieder in einem flexiblen 5-2-3. In der ersten Pressingstufe stand Petersen etwas höher als Höler und Haberer. Teilweise rückte einer der Stürmer aber auch ins Mittelfeld zurück (5-3-2) und wenn Dortmund ins letzte Drittel kam verteidigte Freiburg tief im 5-4-1, mit herausrückenden Mittelfeldspielern. Beim Dortmunder Spielaufbau orientierte sich Koch lose an Kagawa und Abrashi an Castro. Sahin wurde von den vorderen drei Stürmern entweder in den Deckungsschatten gestellt, oder beim Zurückfallen von diesen angelaufen.

Gerade zu Beginn schien es aber so, als ob Peter Stöger die passende Antwort auf das Freiburger Defensivkonzept gefunden hätte. Dortmund ließ den Ball im 4-3-3 sehr sicher zirkulieren. Gerade durch die Einbindung der breit stehenden, hochgeschobenen Außenverteidiger Toljan und Piszczek wurde die Freiburger Formation immer wieder auseinandergezogen und der BVB kam von dort aus ins Zentrum. Durch die offensiven Außenverteidiger konnten Sancho und Pulisic häufig einrücken oder sich zurückfallen lassen, um sich den Ball im Mittelfeld abzuholen. Auch der Dortmunder Führungstreffer wurde über Außen eingeleitet. Sancho dribbelte ein bisschen quer zum Sechzehner, passte zu Castro, der den Ball in den Strafraum lupfte. Freiburg konnte nicht richtig klären und am Ende sprang der Ball zu Kagawa, der das Tor erzielte.

Hatte der Sportclub gegen Dortmund zwar etwas mehr Probleme mit dem breiten Spiel, als gegen die auf das Zentrum fokussierten Leipziger, so gab es dafür bei eigenem Ballbesitz auch etwas mehr Möglichkeiten. Hauptsächlich wurden immer noch weite Bälle von Kempf und Söyüncü auf Petersen geschlagen, aber kurz vor dem Ausgleichstreffer wurde man etwas mutiger. In der 17. Minute, hatte der SC seine erste richtige Aufbauszene durch die Mitte, in der auch Koch und Abrashi eingebunden wurden.
Etwas später kam es dann zum Ausgleich: Haberer passte den Ball aus dem Zentrum zum aufgerückten Kübler, lief durch in den Strafraum und wurde dort wieder angespielt. Von der Grundlinie aus brachte er den Ball flach auf den kurzen Pfosten, wo Petersen durch drei passive Dortmunder hindurch hüpfte, seinen Fuß rein hielt und traf.

Nach dem Ausgleich kam Freiburg noch besser ins Spiel. Das Pressing wurde griffiger und der eigene Spielaufbau etwas variabler. Dabei kam dem Sportclub auch die neue Ausrichtung der Dortmunder entgegen. Es ist nicht nur so, das die Innenverteidiger unter Stöger etwas tiefer stehen, sondern auch das Pressing wirkt etwas passiver. Es ist nicht so sehr auf den frühen Ballgewinn, sondern eher auf das Verhindern von Toren ausgerichtet.

Beim flachen Spielaufbau lag der Fokus prinzipiell auf der linken Seite, da Günter etwas offensiver spielte als Kübler und von Abrashi unterstützt wurde. Zu einer echten Torchance kam es aber nur noch einmal in der 1. Halbzeit, nachdem eine Flanke von Abrashi zu Kübler durchgerutscht war und dessen Direktabnahme fast durch Bürkis Hände glitt.

Auf der anderen Seite wurde Dortmund aber auch nicht wirklich gefährlich. Einmal fand Castros Flanke Aubamauyang, der bei seiner einzigen Chance im Spiel, bedrängt von Gulde und Kempf, über das Tor köpfte.

Mit Blick auf die Torchancen kann man also von einem leistungsgerechten Unentschieden zur Pause sprechen.

2. Die zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel brachte Stöger Mario Götze für Castro in die Partie. Diese Einwechslung zeigte auch die von ihm erhoffte Wirkung. Götze bewegte sich gut zwischen der Abwehr- und Mittelfeldlinie des Sportclubs und konnte ab und zu in gefährlichen Räumen angespielt werden. Die große Wende wurde dadurch aber trotzdem nicht eingeleitet. Bis zur ersten Chance der Dortmunder, als Sancho Kagawa in den Strafraum schickte, der aber nur das Außennetz traf, waren insgesamt schon 60 Minuten gespielt.

Dies lag größtenteils an den defensiv immer besser agierenden Freiburgern. Gerade die vorderste Linie mit Petersen, Höler und Haberer wirkte sehr gut aufeinander abgestimmt. Problemlos tauschten sie untereinander die Positionen, rückten in den richtigen Momenten heraus oder zogen sich zurück. Das rechtzeitige Einrücken der Außenstürmer, ermöglichte es wiederum Abrashi aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen und Bälle zu erobern. So war es auch ein Geniestreich nach einer Balleroberung, der Freiburg in Führung brachte.

Nach einem 2:2 klingt es ein bisschen komisch, doch eigentlich haben beide Mannschaften defensiv kaum etwas zugelassen. In der 2. Halbzeit kam Freiburg trotz einiger Balleroberungen nur noch einmal in den Dortmunder Strafraum. Petersen legte auf Abrashi ab, der nicht zum Abschluss kam, sondern rüber auf Günter spielte, dessen Flanke wiederum geklärt werden konnte. Die Dortmunder Konterabsicherung funktionierte eigentlich gut. Im Gegenzug gab es nach dem Führungstor nur noch zwei Chancen für Dortmund. Ein zentral platzierter Kopfball von Piszczek, den Gikiewicz parieren konnte und das Ausgleichstor in der Nachspielzeit, das aus der etwas zu kurzen Kopfballabwehr, nach einer verzweifelten Yarmolenkoflanke, entstand.

Das Fazit fällt also anders aus, als man es bei dem Ergebnis erwarten würde. Freiburg konnte vor allem mit ihrer Defensivformation überzeugen. Durch diesen Fokus kamen sie aber nur zu wenigen Chancen. Dortmund hingegen, ließ mit einer sicheren Ballzirkulation die Freiburger nicht richtig ins Spiel kommen, konnte nach dem Führungstor aber praktisch keine Durchschlagskraft mehr erzeugen. Ein chancenarmes Spiel, in dem keine der beiden Mannschaften großes Risiko eingehen wollte, endete somit 2:2.

Zu diesem Fazit gehört es allerdings auch, dass ein ausgeglichenes Spiel mit wenig Chancen auf beiden Seiten, für den SC Freiburg gegen Dortmund ein großer Erfolg ist. Nur sehr ungern denkt man an die Begegnungen der letzten Saisons zurück. Egal, ob Tuchel oder Klopp beim BVB auf der Bank saßen, immer wieder wurde der Sportclub nach allen regeln der Kunst auseinandergenommen. Das Problem dabei war häufig, dass man nach Ballgewinn nicht über das Dortmunder Gegenpressing kam und mit der Zeit vom Gegner erdrückt wurde. Wie schon im letzten Spiel gegen Leipzig hat man offensichtlich momentan die richtige Balance für solche überlegenen Gegner gefunden. Dies beinhaltet aber auch, dass die Innenverteidiger vor allem lange Bälle auf Petersen schlagen und man seltener flach herausspielt. Glücklicherweise hat man mit Kempf und Söyüncü das perfekte Personal für gute und präzise lange Pässe aus der Verteidigung heraus.
Fünf Punkte aus Hin- und Rückspiel gegen Leipzig und Dortmund, ist ein herausragendes Ergebnis für den SC Freiburg, der sich nun in eine gute Ausgangslage für den Abstiegskampf gebracht hat.

Schüsse aufs Tor: 4 (BVB): 3 (SCF)
Ballbesitz: 70% : 30%
Passquote: 85% : 69%
Expected Goals: 0,76 : 0,68

3. Gikiewicz, Kübler und Petersen

Die beiden Ersatzspieler für Schwolow und Stenzel fanden recht gut in die Partie. Nach den Einsätzen von Gikiewicz im Pokal und in Testspielen, konnten sich beim Gedanken an einen Ausfall von Schwolow, schon ein paar Sorgenfalten bilden. Gerade beim Spiel mit dem Ball am Fuß und in der Strafraumbeherrschung hatte der zweite Torhüter in der Vergangenheit einige Schwächen offenbart. Im Spiel gegen Dortmund wirkte er aber, wie schon in Leipzig, erstaunlich souverän. Zwar kann die Innenverteidigung ihn seltener in die Ballzirkulation mit einbinden, aber gerade seine weiten Abschläge kamen häufig präzise in die richtigen Räume.

Auch Kübler überraschte ein wenig. Im Vergleich zu Stenzel, ist er etwas defensiver und rückt nur sehr dosiert auf. Seine Fähigkeiten passen besser zu einer Viererkette. Auch gegen Dortmund nahm er selten am Spiel nach vorne Teil, war aber bei beiden gefährlichen Situationen der Freiburger im Angriff beteiligt und hätte fast ein Tor geschossen.

Nach diesem Spiel muss man natürlich noch ein Loblied auf Petersen singen. Die Entwicklung, die er innerhalb dieser Saison macht, überrascht immer mehr. Fiel er die Jahre zuvor doch eher dadurch auf, dass er selten konditionell fit genug war, um 90 Minuten durchzuspielen. So kam er meistens von der Bank, musste aber auch, wenn er von Anfang an spielte, nach 70 Minuten ausgewechselt werden. Im Spiel gegen Dortmund war er mit 13,08 Kilometern der laufstärkste Spieler des Spiels. Sein Pressingverhalten und die Organisation der vordersten Linie machen ihn auch defensiv zu einem wichtigen Bestandteil des Systems, ohne dass er seine Torgefährlichkeit dadurch verliert. Petersen scheint dem Höhepunkt seiner Karriere momentan nahezukommen.

Zusätzlich entwickelt er in dieser Saison ein herausragendes Verständnis für die Abläufe der gegnerischen Aufbauspieler. Die Balleroberung vor seinem zweiten Tor war nicht die erste dieser Art, sondern erinnerte stark an das Spiel gegen Mainz. Dort war es Latza, der den Ball annahm und sich von Petersen wegdrehte. Genau in diesem Moment erkannte der Freiburger Stürmer, dass Latza, der mit dem Rücken zu ihm stand, keine Anspielstation nach vorne hatte und den Ball also zum Torhüter zurückspielen müsste. Petersen antizipierte den Rückpass, fing ihn ab und erzielte das Führungstor.

Gegen Dortmund war es ähnlich. Sahin wurde von Toljan angespielt und sofort von Petersen angelaufen. Der Dortmunder drehte sich einmal im Kreis, um den Ball abzuschirmen und weiterzuleiten. Petersen lief in entgegengesetzter Richtung, hinter seinem Rücken an ihm vorbei, fing den Pass ab und schoss von ca. 40 Metern Entfernung auf das Tor. Im Interview mit dem Ostdeutschen Publikumsliebling kommt heraus, dass er gar nicht mehr vorher zu Bürki geschaut hatte. Petersen spekulierte einfach darauf, dass der Dortmunder Torwart weit vor der Linie steht, da er es in Freiburg auch immer so gemacht hat. Es war also durchaus ein Schussversuch mit Risiko, der sich in diesem Fall aber wirklich gelohnt hat.

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