SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach 3 : 1

1. Aufstellung und Formation

Die Verletztenliste beim SC Freiburg wird kürzer, gerade was die wichtigen Kaderspieler angeht: Abrashi, Stanko, Gondorf, Okoroji und Niederlechner fielen aus. Kleindienst spielte 90 Minuten in der zweiten Mannschaft. Wieder dabei waren Frantz, Stenzel und Petersen, der nun auch wieder für 90 Minuten Kraft hatte.

-------Petersen-----------Waldschmidt-----
Frantz---------------------------------Haberer
--------------Höfler--------Koch----------------
Günter------Heintz-------Gulde-----Kübler
-------------------Schwolow--------------------

Aus mannschaftstaktischer Sicht im Spiel gegen den Ball war die Begegnung weniger spannend. Über 90 Minuten spielte Freiburg sein typisches 4-4-2 gegen ein Gladbacher 4-3-3. Das bedeutet: Die Außenverteidiger orientierten sich eng an den Gladbacher Flügelspielern und die Freiburger Flügelspieler an den Gladbacher Außenverteidiger. Diese Mannorientierungen auf den Seiten geben dem Spiel sozusagen einen Rahmen. Koch und Höfler kümmerten sich im zentralen Mittelfeld um die beiden Achter Zakaria und Hofmann. Heintz und Gulde blieben bei Stindel und verfolgten ihn teilweise auch dann, wenn er sich weit zurückfallen ließ. Bleiben noch zwei Freiburger (Petersen und Waldschmidt) gegen drei Gladbacher (Ginter, Elvedi und der Sechser Strobl). Der ballführende Innenverteidiger wurde angelaufen und der zweite Freiburger positionierte sich zwischen dem zentralen Storbl und dem anderen Innenverteidiger. Wenn der Ball zum anderen Innenverteidiger kam, wurden die Rollen getauscht. Das entscheidende Detail beim Freiburger Pressing war in dieser Partie der recht tiefe Ausgangspunkt. Man versuchte die drei Linien relativ eng zu halten, da sich Stindl und Hofmann prinzipiell sehr gut im Zwischenlinienraum anbieten. So starteten Petersen und Waldschmidt ihr Anlaufen meist erst ab der Mittellinie und versuchten dann von dort aus die Gladbacher zurückzudrängen. Falls dies nicht gelang und sie ausgespielt wurden, waren sie immer noch tief genug positioniert, um zügig wieder hinter den Ball zu kommen.

Beim Spiel mit dem Ball gab es (wieder aus mannschaftstaktischer Perspektive) auch wenig zu beobachten. Es wurde alle gewohnten Freiburger Mittel ausgenutzt. Schnelles Umschalten durch die Mitte, längere tiefe Ballzirkulation mit abkippenden Mittelfeldspielern, Aufbau über Außen, lange Diagonalpässe und lange Abschläge ins Zentrum. Dies klappte in unterschiedlichen Spielphasen auch unterschiedlich gut.
Wie gesagt, auf der Ebene des taktischen Plans war es kein besonderes Spiel. Der Plan wurde allerdings phasenweise sehr gut umgesetzt.

2. Spielverlauf

Wie so häufig, wenn der SC Freiburg Anstoß hat, versucht das Team sofort einen Angriff zu starten. In diesem Fall gab es den Pass zurück auf Koch, der spielte einen Querpass zu Gulde und Gulde schlug den Ball lang in Richtung Luca Waldschmidt. Ginter versuchte zu klären, doch der Ball traf Waldschmidt so, dass er in dessen Laufweg in den Strafraum zurückprallte. Der Ex-Hamburger lief hinterher und war noch vor dem herauseilenden Sommer am Ball, welcher ihn dann strafstoßwürdig von den Beinen holte. Noch vor Ablauf der ersten Minute verwandelte Petersen den Elfmeter – für den Zuschauer ungewohnt – ins rechte Eck. Ungewohnt, da er meistens ins linke schießt und selten so früh im Spiel trifft. Der Kommentator sagte, es sei sein erstes Tor in den ersten 10 Minuten überhaupt gewesen.

Danach kam eine Phase, in der Gladbach viel Druck aufbauen konnte. Freiburg stand tief am eigenen Strafraum und hatte kaum eigenen Ballbesitz (25% nach 15 Minuten). Eine der 6 Ecken in der Anfangsviertelstunde traf den Pfosten. Ansonsten hatte Gladbach in der ersten Halbzeit trotz der drückenden Überlegenheit nur wenige klare Chancen. Es gab noch einen Schuss aus der Drehung im Strafraum von Plea und zwei Distanzschüsse. Der Ausgleich war, wenn auch etwas unglücklich in der Entstehung, aber aufgrund der Spielanteile dennoch nicht unverdient. Heintz ging ungeschickt gegen Stindl im Strafraum zu Werke, obwohl diesem der Ball schon leicht versprungen war und es gab Strafstoß. Hazard verwandelte.

Nach dem Ausgleich wurde die Partie deutlich ausgeglichener. Gladbach presste nicht mehr so hoch und Freiburg kam deutlich häufiger zu kürzeren Ballbesitzphasen. Größtenteils setzte der SC dabei auf eine recht sichere Ballzirkulation, konnte hin und wieder aber auch schöne Spielzüge einstreuen. In der 42. Minute zum Beispiel wurden sie von aufrückenden Gegenspielern bis an die eigene Eckfahne zurückgedrängt. Heintz erkannte aber, dass Plea, der Koch decken sollte, auf den Rückpass zum Torwart spekulierte und konnte mit seinem Pass auf Koch vier Gegenspieler überspielen. Der Freiburger Sechser nutzte den Platz, lief bis zur Mittellinie und spielte einen hübschen Schnittstellenpass auf Außen zu Frantz. Dessen Flanke wurde dann leider abgefangen. Solche Szenen belegen eine gewisse Selbstsicherheit der Freiburger Spieler, an der es in der letzten Rückrunde mangelte.

Der Führungstreffer war dann aber doch eine typische Umschaltaktion (drei Pässe) nach hohem Ballgewinn. Wie so häufig ließ Stindel sich bis zur Mittellinie fallen. Gulde verfolgte ihn, damit die Drehung verhindert werden konnte. Stindel war also gezwungen seitlich auf Zakaria abzulegen. Genau diesen Pass hatte Höfler vorhergesehen und konnte ihn abfangen. Dann ging es sehr schnell. Höfler passte zu Koch, der schickte Haberer über die rechte Seite, Haberer spielte eine flache Hereingabe zur Strafraumkante und der mitgelaufene Waldschmidt versenkte den Ball im langen Eck. Besonders schön war die Aufteilung der Laufwege von Waldschmidt und Petersen. Der Stürmer ging, von zwei Gegenspielern verfolgt, vorne in den Strafraum und die hängende Spitze rückte nach, um im Rückraum anspielbar zu sein. Genau diese Abstimmung fehlte manchmal beim Zusammenspiel von Niederlechner und Petersen, die wahrscheinlich beide durchgelaufen wären.

Nach dem zweiten Führungstreffer begann die stärkste Phase des Sportclubs. Gladbach hatte viel Ballbesitz, kam aber überhaupt nicht mehr in gefährliche Zonen. In der 83. Minute kam es noch zu einem nennenswerten Abschluss der Gäste. Günter verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung. Heintz rückte auf Hofmann heraus und folgte ihm bis zur Mittellinie. Durch eine schnelle Kombination kam Hazard auf die Grundlinie und konnte Stindel im Sechszehner bedienen. Bei dessen Abschluss waren aber Gulde und Kübler eng bei ihm, Höfler hatte Hazard verfolgt und Haberer und Heintz waren ebenfalls schon wieder zurück, um den Rückraum abzusichern. Es war eine exemplarische Szene für das was Streich auf der Pressekonferenz betonte: Auch wenn man ausgespielt ist, kann man schnell genug zurückkommen und dann muss der Gegner einen noch einmal ausspielen. (Kein direktes Zitat)

Es ist immer ein bisschen komisch, geordnetes Verteidigen, diszipliniertes Rückzugsverhalten und energisches Rausrücken auf den Ballführenden zu loben, aber gerade in diesem Spiel kommt man daran nicht wirklich vorbei. Es war schon beeindruckend, dass Mönchengladbach, die drei Tore gegen Bayern und vier Tore gegen die Defensivspezialisten aus Mainz geschossen hatten, auch nach der Einwechslung des offensiven Traoré für den defensiven Lang, nicht mehr gefährlich ins letzte Drittel kamen. Ganz im Gegenteil hatte Freiburg in der letzten halben Stunde die besseren Chancen. Sallai und Waldschmidt hatten vier Durchbrüche über die linke Seite, konnten aber leider nichts daraus machen. So musste der Sportclub bis zur 93. Minute warten, bis die Entscheidung fiel. Sommer versuchte das Spiel schnell zu machen, wurde dabei aber von Petersen gestört. Sein unkontrollierter Pass landete beim eingewechselten Höler, der das leerstehende Tor aus etwa 47 Metern Entfernung traf. 3:1! Gladbach bleibt Freiburgs Lieblingsgegner.

3. Statistik

Nach guten Spielen macht das Zitieren von Statistiken am meisten Spaß:

Laufleistung insgesamt: Freiburg 124 km : Gladbach 121 km
Laufleistung Petersen: 13,0 km
Laufleistung Koch: 12,7 km
Laufleistung Waldschmidt: 12,0 km

Schüsse (auf das Tor): Freiburg 13 (7) : Gladbach 10 (2)
Expected Goals: Freiburg 1,32 : Gladbach 1,17

Gladbach schlug 20 Flanken aus dem Spiel heraus, von denen nur 4 ankamen. Hinzu kamen noch 10 Ecken, von denen nur eine wirklich gefährlich wurde. Das zeigt recht gut, wie stabil die Abwehr auch unter anhaltendem Druck stand.

4. Einzelkritik

Es wurden viele Spieler nach diesem Spiel hervorgehoben. Sammer suchte sich Höfler aus. Das Transfermarkt-Forum – in dem man den Namen Höfler lieber nicht erwähnen sollte, wenn man hitzige Diskussion vermeiden möchte – konzentrierte sich auf Haberer, Waldschmidt und Kübler. Um dies nicht zu doppeln, konzentriere ich mich auf Heintz.
Auch wenn der Freiburger Neuzugang (wie schon gegen Augsburg) kurzfristig in die Rolle des tolpatschigen Heintz Blöd schlüpfte, strahlte er prinzipiell große Sicherheit aus. Neun Ballgewinne, insgesamt 62 von 67 Pässen und 7 von 9 langen Pässen waren erfolgreich. Alles Bestwerte in diesem Spiel. Abgesehen dieser Zahlenspiele gab es aber vor allem drei sehr bemerkenswerte Pässe in die Spitze. Ein Diagonalball, den Waldschmidt leider nicht annehmen konnte, ein Diagonalball auf Haberer, der danach im Strafraum zum Abschluss kam und ein vertikaler Flachpass durch mehrere Linien auf Sallai (85'), der leider noch von den Innenverteidigern eingeholt wurde.
Diese Spieleröffnung ist ein wichtiger Bestandteil des Sportclubs geworden. Leider fehlt ein rechtsfüßiger Heintz auf der anderen Position. Perspektivisch könnte Koch diese Rolle übernehmen, wenn Haberer wieder ins zentrale Mittelfeld neben Höfler rücken würde. Andererseits hat die Stabilität von Gulde durchaus etwas für sich, auch wenn von seinen sieben langen Bällen keiner ankam.

Kommentare

Gast (nicht überprüft)

Hallo. Ich lese deine Analysen immer sehr gerne. Weiter so!!
Frage: Wo findest du diese detaillierten Spieler-Statistiken wie Ballgewinne oder erfolgreiche lange Bälle?

Autor

Hi,

vielen Dank. Es gibt die (kostenlose) App TopLiveStats (http://www.toplivestats.com/). Die bekommen ihre Daten von Opta. Kann ich sehr empfehlen, da sie gerade für Einzelspieler-Statistiken sehr übersichtlich ist. Zudem gibt es Ballbesitzwerte aufgeteilt in beide Halbzeiten und Ballbesitz in den letzten 15 Minuten. Ich weiß nur noch nicht, wie ich die im Browser öffnen kann.

Der Rest ist eigentlich bekannt:

Laufleistung: kicker.de
Expected Goals: https://understat.com
Durchschnittliche Spielerposition/ Dribblings: https://www.whoscored.com

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