Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 4 : 2

Vorneweg: Das Spiel hatte viele Details und viele Szenen mit dem Potenzial mit Toren zu enden. Es gibt in diesem Blogeintrag also weniger als sonst den Anspruch auf Vollständigkeit. Für eine Zusammenfassung empfehle ich den Spielbericht vom Kicker. Das Spiel hatte ein hohes Niveau, Freiburg teilweise gute Phasen, aber Mönchengladbach ist momentan etwas zu gut und hat verdient gewonnen.

1. Aufstellung und taktische Herangehensweise

Es gab einige Veränderungen in der Startelf von Freiburg. Gulde bekam seine ersten Minuten, Schlotterbeck durfte mal wieder von Anfang an ran und Borrello, der gegen Leverkusen noch auf dem Platz stand, rückte gänzlich aus dem Kader heraus.

  Höler   Petersen  
    Haberer    
Günter Höfler   Koch Schmid
  Schlotterbeck Heintz Gulde  
    Flekken    

Zudem spielte der SC Freiburg deutlich mannorientierter als in den letzten Spielen. Günter und Schmid kümmerten sich um die beiden Außenverteidiger, Haberer, Höfler und Koch um die Mittelfeldspieler Zakaria, Benes und Neuhaus und die drei Innenverteidiger hatten mit den Stürmern Thuram, Herrmann und Embolo zu tun. Das konnte man besonders gut am zentralen Innenverteidiger Heintz sehen, der den zurückfallenden Embolo weit ins Mittelfeld verfolgte.

Für die Aufstellung und Herangehensweise gab es recht gute Gründe, die sich aus dem letzten Spieltag ergaben. Lienhart hatte gegen Leverkusen größere Probleme mit Diaby. So erklärt sich der Versuch, Gulde mal eine Chance zu geben. Der Einsatz von Koch im Mittelfeld sollte zusätzliche Stabilität verschaffen.
Die starke Mannorientierung Freiburgs war die Übernahme eines Erfolgsmodells von Union Berlin, die am letzten Spieltag 2:0 gegen Mönchengladbach gewinnen konnten (und zudem aus den letzten sechs Spielen erstaunliche zwölf Punkte holten).

Die wilde Anfangsphase mit jeweils einem Tor (jeweils nach einem Standard) hatte teilweise etwas damit zu tun. Gibt es viele 1-gegen-1-Duelle kommt es zu vielen Balleroberungen, aber auch zu vielen Durchbrüchen, wenn ein Zweikampf mal klar verloren geht. Leider blieb das Spiel aus Freiburger Perspektive nicht nur wild, sondern das Heimteam konnte sich eine klare Überlegenheit erspielen. Das hatte viel mit der Rolle von Thuram zu tun. Schmid stand auch bei gegnerischem Ballbesitz sehr hoch, um Bensebaini zu attackieren. Thuram positionierte sich hinter Schmid. Dabei stand er so breit, dass Gulde nicht zu ihm rausrücken konnte, ohne ein riesiges Loch in der Verteidigung zu öffnen. So konnte Thuram häufig angespielt werden, Geschwindigkeit aufnehmen und auf Gulde zudribbeln. Dass der Freiburger Innenverteidiger dabei nicht besonders gut aussah, ist bei Thurams Fähigkeiten keine große Überraschung. Zum Glück entstanden aus den drei, vier gefährlichen Situationen keine weiteren Tore.

2. Umstellung

Streich erkannte das Problem und stellte auf ein 4-4-2 um.

  Petersen   Höler  
Günter Höfler   Koch Haberer
Schlotterbeck Heintz   Gulde Schmid
    Flekken    

Damit lief es bis zur Pause deutlich besser. Schmid kümmerte sich nun um Thuram und dahinter konnte Gulde aushelfen. So konnten dies Aktionen meist verhindert werden und auch die vertikalen Kombinationen von Gladbach nach gewonnenem Zweikampf im Mittelfeld waren seltener erfolgreich.

Allerdings löste man mit der Umstellung nicht nur ein Problem, sondern erschuf auch ein neues. Zu den größeren Stärken Gladbachs gehören die Tiefenläufe in die Schnittstellen einer Formation. So kommen sie auch gegen ein recht gut organisiertes Team im 4-4-2 oft hinter die Kette. Da Freiburg zusätzlich noch recht hoch anlief, hatten sie im letzten Drittel nicht ganz so viele Spieler hinter dem Ball, wie gewohnt. Das 2:1 (Ballverlust im Angriff), der Strafstoß von Heintz und auch das 3:1 (Flachpass zentral durch die Formation) entstanden aus Schnellangriffen mit Pässen in die Schnittstellen den Abwehrreihe.

3. Gute Schlussphase reicht nicht

Mit dem 3:1 veränderte sich das Spiel. Gladbach – am Donnerstag noch mit einem anstrengenden Spiel gegen den gut pressenden Wolfsberger AC – versuchte das Spiel eher zu verwalten und kam eher über Konter nach vorne. Der SC Freiburg zeigte wiederum, dass es nicht unbedingt eine gute Idee ist, wenn man ihm den Ball überlässt. Auch ohne Grifo und Waldschmidt ist momentan genug Selbstbewusstsein und spielerische Klasse vorhanden, um auch ohne den Umschaltmoment zu Chancen zu kommen.
Sallai kam für Schlotterbeck und holte den Standard heraus, der zum 3:2 führte. Kurze Zeit später gab es zwei weitere Chancen durch Standards, die in letzter Zeit auch unabhängig von diesem Spiel immer gefährlicher werden.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass man sich gegen Gladbach keine Schwachstellen leisten darf. Sie finden und nutzen sie aus. Es ist lange her, dass Koch im Sechserraum den Überblick und dann den Ball verlor, aber er wurde dabei auch gut unter Druck gesetzt. Dieses Mal führte es zum 4:2.
Direkt danach wurde Kwon für Gulde eingewechselt und Koch rückte in die Innenverteidigung. Freiburg machte das Spiel, ließ sogar weniger Konter zu als davor, kam aber nicht mehr zu vielen Abschlüssen.

4. Fazit

Der bisherige Freiburger Höhenflug war besonders auf einer starken Defensive aufgebaut. Es musste nicht häufig umgestellt werden, da der defensive Plan A meistens sehr gut funktionierte. In diesem Spiel hatte man leider nie so richtig eine defensive Stabilität herstellen können, was gegen den Tabellenführer aber auch nicht so leicht ist. Durch kluge Lösungswege von Gladbacher Seite aus war Streich häufig zur Reaktion gezwungen, stellte Formationen um, zog Spieler auf verschiedene Positionen und wechselte vergleichsweise früh. Durch die Standards kam man damit sogar in die Lage fast das 3:3 zu erzielen. Insgesamt wäre das aber mal wieder ein sehr glückliches Ergebnis gewesen, wie man am expected Goals Wert von 5,29:1,59 sehen kann. Gerade mit den Läufen in die Schnittstellen werden aber noch viele Mannschaften Probleme haben.
Dennoch war es wahrscheinlich nicht von Vorteil, dass die Dreierkette nicht besonders eingespielt war. Die nachvollziehbaren Gründe für die Wechsel wurden schon genannt, aber im Nachhinein(!) kommt man an dieser Bewertung wohl nicht vorbei. Dass bei zwei Toren die Abwehr nicht auf einer Linie stand, wäre dafür ein beispielhafter Beleg.
Zusätzlich: Koch, Heintz und Spieler X sind einfach eine ziemlich gute Dreierkette.

Die eigenen 12 Schüsse mit 1,59 xG und das recht gute Pass- und Positionsspiel in der Schlussphase gegen einen so guten Gegner sollten bei der Bewertung aber auch nicht vergessen werden. Wie gesagt, hatte das Spiel ein insgesamt hohes Niveau mit einem verdienten Sieger.

 

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