Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 2 : 1

1. Aufstellung

Vor dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach gab es für diese Saison ungewöhnlich viele „äußere Faktoren“, die wahrscheinlich einen großen Einfluss auf die Aufstellung hatten. Was man schon recht lange wusste: Höfler fehlte durch seine zehnte gelbe Karte. Dann gab es aber noch die typischen Ungleichheiten während der Länderspielpause. Einige Stammspieler verpassten das Training aufgrund der Berufung in die Nationalsteams. Manche von ihnen spielten dort und manche wurden nur eingewechselt. Dazu gehörten Sallai, Lienhart, Demirovic, Grifo und Jeong. Grifo fiel dann kurzfristig aufgrund eines positiven Corona-Tests aus und Jeong musste angeschlagen auf einen Kaderplatz verzichten.
Von denen, die nicht auf Länderspielreise waren, kam Petersen selbst erst aus einer Quarantänezeit und Kwon hatte unter der Woche muskuläre Probleme.

Streich musste also ein bisschen „basteln“. Gerade die Ausfälle von Grifo und Höfler müssen ihm einiges an Kopfzerbrechen bereitet haben, da die beiden schon lange kein Spiel mehr verpasst haben. Sie sind auf ihrer Position auch die spielerisch und strategisch stärksten Spieler. Und ohne den angeschlagenen Kwon und den verletzten Jeong konnte man die spielerische Komponente auf der linken Außenbahn nicht ersetzen.
Streich entschied sich dann für eine physisch sehr starke Aufstellung mit vielen Spielertypen im Team, die sehr vertikal und tororientiert denken. Es war ein 3-4-3 mit der erfolgreichen Dreierkette aus der Hinrunde (Gulde auf links), einem sehr robusten zentralen Mittelfeld mit Santamaria und Keitel und drei geradlinigen Angreifern, die gerne hinter die Kette starten.

  Höler Demirovic Sallai  
Günter Keitel   Santamaria Schmid
  Gulde Schlotterbeck Lienhart  
    Müller    


2. Die erste Halbzeit

Die erste Szene gehörte dem Heimteam. Höler verlor den Ball im Gladbacher Gegenpressing an Stindl und der kam zu einem Schuss aus 16 Metern. Danach gelang ihnen aber nicht mehr viel in der ersten Halbzeit.

Freiburg presste recht hoch und in der Aufteilung gegen das Gladbacher 4-2-3-1 sehr flexibel. Die drei Stürmer tauschten untereinander Positionen und wer von den dreien eher nach hinten absicherte, wer anlief wurde eher situativ entschieden. (So weit man das von Außen beurteilen kann. Es sah zumindest nicht schematisch aus.) Zurückfallende Stürmer wurden oft von den Innenverteidigern verfolgt und Neuhaus und Kramer konnten sich ebenfalls nur selten ihren Gegenspielern entziehen. Die Fünferkette ermöglicht ein flexibles Verfolgen, da immer ein „Extraverteidiger“ absichern kann. Gladbach produzierte gegen das Pressing zwar keine riskanten Ballverluste, kam aber kaum zu freien Abschlüssen. Schafften sie es, die erste Pressinglinie zu überspielen, wurden sie gestellt, Freiburg zog sich insgesamt zurück und Gladbach kam dann nur zu Distanzschüsse, bei denen oft sechs bis neun Freiburger zwischen Schütze und Tor standen.

Gladbachs Pressing hingegen war nicht besonders gut. Sie hatten Probleme, die Breite ganz abzudecken. Freiburg konnte das oft über Müller ausspielen und kam so auf die andere Seite. Gladbach stand hoch, hatte aber keinen Zugriff. Das sieht man in der Bundesliga nicht so häufig.

So kam der Sportclub auch zu einigen Chancen in den ersten 45 Minuten. Das 0:1 ist dabei exemplarisch. Auch ohne vorherige tiefe Ballzirkulation, bekam Gladbach die Breite nicht abgedeckt. Müller spielte links auf Gulde, der direkt auf Günter. Günter lief auf die rechte Gladbacher Verteidigung zu, Demirovic startete im Bogen hinter die Kette und bekam den Ball in den Lauf gespielt. Sallai lief parallel mit, wurde angespielt und schoss frei aus 10 Metern und halbwegs zentraler Position ins kurze Eck. Das war recht einfach und es folgten weitere Angriffe:

Nur 5 Minuten später kam Sallai über Außen durch, flankte auf Höler und der erwischte den Ball nicht perfekt. Weitere sieben Minuten später kam Sallai mit einem einfachen Doppelpass (Zugegeben mit einem schönen Hackentrick dabei) mit Demirovic durch und vergab frei vor Sommer aus spitzem Winkel.
12 Minuten später (34. Minute) gab es eine Umschaltaktion über Höler und Santamaria, bei der der Querpass Richtung Sallai „auf halbem Weg …“ und geklärt werden konnte. Die anschließende Ecke an den kurzen Pfosten führte zu einem schönen Kopfball von Demirovic und einer guten Parade von Sommer. Sechs Minuten später gab es einen erneuten Pass auf Demirovic hinter die Kette. Hier passierte nichts.
Die Halbzeit endete dann mit einem schönen Konter über Höler, Sallai und dem geblockten Schuss von Demirovic und einer Ecke, die per Kopf verlängert wurde, bei der Höler den Ball dann aber aus zwei Metern nur zu 95% über die Linie brachte.

Gladbach stand hoch, hatte aber keinen Zugriff. Freiburg spielte das immer wieder gut über Außen aus und konnte dann auf eine Abwehr in Bewegung zulaufen. Ein oder zwei Szenen hätte man noch besser ausspielen können. Aber auch so hätte man da eigentlich mit mindestens zwei Toren Abstand führen müssen/ sollen/ können.

3. Die zweite Halbzeit

Rose reagierte auf das Problem. Vor zehn Jahren hätte es vielleicht noch einen Aufschrei gegeben, wenn ein Trainer bei Rückstand einen defensiven für einen offensiven Spieler einwechselt, aber heute ist das relativ normal. Zakaria kam für Wolf und Rose stellte ebenfalls auf ein 3-4-3 um. Der defensive Zugriff verbesserte sich sofort und somit kam Gladbach auch insgesamt besser ins Spiel. Die großen Chancen blieben aber bis zu einem Zufallsprodukt in der 53. Minute noch aus. Hier kam Ginter mit nach vorne und schoss den Ball viel zu stark in den Strafraum. Stindl versuchte den Ball zu stoppen, was vollkommen misslang. Allerdings prallte der Ball in halbhohem Bogen zu Thuram, der Volley an Santamarias Brust schoss, von wo aus der Ball ins Tor abgefälscht wurde. Das Tor war etwas unglücklich in der Entstehung. Dennoch muss man zugeben, dass die Phase, in der das Tor fiel, schon die richtige war. Gladbach kam immer besser ins Spiel.

So dauerte es auch nur sieben weitere Minuten bis zum Rückstand. Es war ein Ballverlust im Mittelfeld. Kramer passte dann auf Thuram, der den Ball perfekt mitnahm. Lienhart kam nicht hinterher, Müller stand zu weit vor dem Tor, der Gladbacher Stürmer lief an beiden vorbei und schob ins leere Tor ein.

4. Freiburg in Rückstand

Streichs „Brecheraufstellung“ mit vielen körperlich starken und vertikal denkenden Spielern hatte perfekt zu dem Spiel der ersten Halbzeit gepasst. Nun ging es aber darum, einen umschaltstarken Gegner in tieferer Positionierung zu bespielen. Hier fehlten Höfler, Grifo und Jeong besonders. Vielleicht hätte man Tempelmann bringen können, der in seiner Spielweise näher an Höfler ist, aber die Mittelfeldzentrale machte insgesamt ein recht gutes Spiel. Nach so langer Zeit ohne Einsatz, muss man Keitel wirklich ein Sonderlob aussprechen (90% Passquote, 5 von 5 Zweikämpfen gewonnen, 3 von 3 Kopfballduellen gewonnen, 2 abgefangene Pässe, 3 Tackels (laut sofascore)). Immerhin passte die Konterabsicherung. Gladbach kam nicht mehr zu sehr vielen Chancen. Bis auf ein paar (oft von Höler gezogenen) Standards passierte auf Freiburger Seite allerdings zu wenig. Erst in der Nachspielzeit erzielte man noch ein schön herausgespieltes Abseitstor. Man war tief auf der linken Seite, spielte einmal um den Strafraum herum, legte wieder quer und der mit aufgerückte Schlotterbeck traf aus 10 Metern ins Tor. Leider hatte Günter zuvor den im Abseits stehenden Höler angespielt.

5. Fazit

Wie schon im Hinspiel scheiterte man an der eigenen Chancenverwertung. Man muss auch keine zwei Gegentore kassieren, aber man spielt selten 90 Minuten fehlerfrei und Gladbach hat auch eine gewisse individuelle Qualität. Aus den vielen dynamischen Szenen in Gleichzahl im letzten Drittel hätte man aber einfach mehr Tore erzielen sollen.

Taktisch war das Spiel recht interessant, da Freibug 45 Minuten lang ein wirklich überlegenes System hatte. Das ist in dieser Deutlichkeit nur selten in der Bundesliga zu sehen. Die Umstellung von Rose war dann zwangsläufig und kam sogar recht spät. Streich konnte die Überlegenheit nicht wieder herstellen – auch weil mit Grifo, Höfler und Jeong die Spielertypen fehlten.

Besonders bitter ist, dass dem Sportclub das 2:2 (selbstverständlich zurecht) aberkannt wurde. Der Punkt hätte tabellarisch viel gebracht und das Gefühl, ein Spiel verschenkt zu haben, wäre nicht ganz so stark gewesen.

6. Anmerkung

Tormusik, überambitionierte Stadionsprecher und Werbung sind ein allgemeines Ärgernis in der Bundesliga, aber Gladbach ist da wirklich noch ein eigenes Kapitel auf allen Ebenen. Die schaffen es nach gefühlten zwei Minuten „döp, döp, döp… erzielt durch THURAM döp UNSERE NUMMER XX, döp, IN DER XX MINUTE, döp, döp…“ noch den Sound von gezapftem Bier einzuspielen und das von irgendeiner Marke präsentieren zu lassen. Bei Verletzungsunterbrechungen wünscht eine weitere Marke gute Besserung. Die Nachspielzeit wird ebenfalls gebrüllt und nimmt einigen Raum ein. Das ist insgesamt doch sehr aufdringlich – selbst im Vergleich zu anderen Bundesligisten.

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