Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 1 : 1

1. Aufstellung und Herangehensweise

Nach den unglücklichen Verletzungen des letzten Spiels musste der SC Freiburg auf zwei Positionen umstellen. Stenzel kam für Kübler und Keven Schlotterbeck (der ältere) ersetzte Lienhart. Der Rest der Mannschaft blieb unverändert.(Im Kontext des Themas Verletzungen: Kübler, Koch, Höfler, Sallai, Gulde und Lienhart wurden beim Hinspiel alle eingesetzt.)

——-Petersen——–Waldschmidt——
Grifo——————————-Haberer
————–Abrashi—Frantz————-
Günter——————————Stenzel
———Heintz———Schlotterbeck—–
——————Schwolow—————–

Allerdings scheint der SC Freiburg aufgrund der Tabellensituation und der letzten guten Spiele mehr Selbstbewusstsein bekommen zu haben und sich damit auch wieder etwas mehr den konstruktiven Seiten des Spiels zu widmen.

Aber auch mit etwas mehr Ballbesitz als sonst, blieb das Pressing die Grundlage des Freiburger Spiels. Die Partie gegen Gladbach könnte man wirklich sehr detailreich Analysieren. Oberflächlich betrachtet war es ein normales 4-4-2-Pressing mit höheren und tieferen Phasen. Die kleineren Anpassungen an das Gladbacher Spiel waren aber sehr zahlreich und flexibel ausgeführt. Die Borussia spielte ein 4-3-3 mit einem Sechser, der meistens nicht zwischen die Innenverteidiger abkippte, sondern sich zentral hinter den pressenden Freiburger Stürmern anbot und zwei Achtern. Dazu ließ sich der Stürmer Stindl häufig ins Mittelfeld fallen. Auf dem Papier gab es also mal wieder eine deutliche Unterzahl im zentralen Mittelfeld. Nun gab es für diese Aufgaben nicht die eine Lösung, sondern verschiedene Freiburger Reaktionen.

1. Petersen und Waldschmidt liefen die Innenverteidiger so an, dass Strobl (Sechser) im Deckungsschatten verschwand.
2. Die beiden zogen sich etwas zurück und einer von ihnen blieb direkt bei Strobl.
3. Frantz oder Abrashi rückten beim Angriffspressing mit auf, um Strobl direkt unter Druck zu setzen und keine kontrollierten Zuspiele in den Angriff zuzulassen.
4. Haberer oder Grifo rückten ein, um den übrigen Achter aufzunehmen.
5. Heintz folgte manchmal Stindl, wenn dieser sich ins Mittelfleld zurückfallen ließ, blieb aber auch manchmal in der Innenverteidiger.
6. Die typische Pressingfalle nach dem Pass auf den Außenverteidiger, wobei alle Passwege von ihm zugestellt werden, war auch zu beobachten.

Selbstverständlich schließen sich die verschiedenen Möglichkeiten teilweise aus und wurden nicht gleichzeitig ausgeführt, sondern waren verschiedene Optionen als Reaktion auf Gladbach oder auf die Mitspieler.
Deckungsschatten, Einrücken, Zurückziehen, zum Angriffspressing Aufrücken, Pressingfalle auf Außen, Übergeben von der Verteidigung ins Mittelfeld usw. Man kommt bei so vielen verschiedenen Möglichkeiten und Beobachtungen über 90 Minuten kaum daran vorbei, Szenen einzeln zu beschreiben und dann auseinanderzunehmen. Hier bleibt es jetzt bei den Andeutungen und der Bewertung, dass die Spieler häufig die richtige Entscheidung trafen und sehr gut aufeinander abgestimmt wirkten.
(Das Spiel war aus taktischer Sicht in seiner Vielfalt der Aspekte nichts Besonderes. Da es aber wenig Umstellungen gab, bot es sich dieses Mal an anzudeuten, dass auch ohne die großen taktischen Veränderungen zu viel im Detail passiert, um alles zu analysieren.)


Beim Spiel mit dem Ball gab es etwas klarere Mechanismen zu beobachten. Frantz kippte konsequent in die erste Reihe ab; mal zwischen, mal neben die Innenverteidiger. Abrashi besetzte den Sechserraum, versuchte sich dort anzubieten und band somit gleichzeitig die Gladbacher Stürmer an sich. Stenzel und Günter rückten weit auf und blieben an der Außenlinie, um die Breite zu schaffen. Petersen hingegen sorgte für die Tiefe und war Zielspieler für lange Pässe. Zwischen diesen weiten Punkten (Aufbaukette, breite Außenverteidiger, Petersen an der Abwehrlinie) besetzten Grifo, Haberer und Waldschmidt gut abgestimmt die Halbräume zwischen den Ketten und boten sich dort für Vertikalpässe an und waren gleichzeitig in einer guten Position für zweite Bälle.

2. Der Spielverlauf

Die Freiburger kamen sehr gut ins Spiel. Zwar wurde ihr offensives Pressing schon in der ersten Minute ausgehebelt, wodurch ein erster Abschluss entstand, hatten dann aber auch gleich ein paar sehr gelungene Szenen. Nach 10 Minuten hatte der Sportclub in diesem Auswärtsspiel 50% Ballbesitz und eine Passquote von 85% (Durchschnitt SC Freiburg in dieser Saison: 43% Ballbesitz, 76% Passquote). Das lag auch an einem etwas passiveren Mönchengladbach, war aber durch die Einsätze von Schlotterbeck, Abrashi, Stenzel usw. in der Fehlerfreiheit nicht unbedingt zu erwarten. Passend dazu wurde auch das 0:1 wunderschön herausgespielt. Ausgangspunkt war eine geduldige tiefe Ballzirkulation zwischen den drei Aufbauspielern und das Freilaufen der drei offensiven Anspielstationen zwischen den letzten beiden Linien Gladbachs. Waldschmidt forderte den Ball, der junge Schlotterbeck spielte ihn schön durch zwei Ketten, Waldschmidt legte ab auf Stenzel, der dann am Strafraum eine flache Hereingabe auf den eingerückten Grifo zustande brachte. Dieser traf dann per Direktschuss aus 16 Meter.

Es sah schon sehr danach aus, dass genau dieser Spielzug die Idee hinter den Positionierungen mit dem Ball beim Sportclub war. Besonders häufig gelang er aber nicht mehr. Zwar kam Freiburg häufig über die erste Linie, blieb dann dort aber meistens stecken. Man kam in die gegnerische Hälfte, aber von dort aus selten in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Hier fehlte es vielleicht auch an Präsenz in der letzten Reihe. Durch das Zurückfallen und Einrücken dreier Offensivspieler und relativ langsamer Aufrückbewegungen der Sechser, die auch für Rückpässe anspielbar bleiben wollten, war man dann auf ein anspruchsvolles Kombinationsspiel in Unterzahl angewiesen, da es kaum Möglichkeiten für einen tiefen Pass oder eine Halbfeldflanke gab. Wie gesagt, kam man damit nur noch selten durch. 10 Torschüsse sind bei einem Auswärtsspiel, in dem man nie in Rückstand lag aber durchaus im Rahmen, auch wenn die meisten davon aus der Distanz abgegeben wurden.

Auf der anderen Seite ging es Gladbach ähnlich wie Freiburg. Auch sie versuchten strukturiert und nicht überfallartig nach vorne zu kommen und auch bei ihnen ist das Tor wahrscheinlich so entstanden, wie es geplant wurde. Hofmann (Achter) ließ sich fallen und bekam ebenfalls den Pass durch zwei Ketten vom Aufbauspieler. Dann kam der Ball auf die überladene rechte Gladbacher Seite, wo sie mit einer hervorragenden Kombination auf die Grundlinie kamen und Pléa die kurze Rückgabe aus zwei Metern ins Tor schießen konnte. Diese Kombinationen über Außen wurden noch häufiger versucht, blieben aber weitestgehend wirkungslos, wenn Gladbach überhaupt noch mit Tempo in diese Räume kam.

Viel mehr Highlights als die beiden Tore gab es in der Partie nicht. Immer wieder konnte man gute Ansätze beobachten, aber die Chancen wurden auf beiden Seiten immer seltener. Am Ende waren es jeweils zwei Schüsse auf das Tor und 12:10 Torschüsse. Der Expected-Goals-Wert war mit 1,17:0,51 auf beiden Seiten recht niedrig. (Zieht man das Gladbacher Tor mit 0,64 ab, bleiben auch nur 0,53).
Im Laufe der zweiten Halbzeit sah man den Freiburger Spielern dann auch an, dass sie mit dem Unentschieden recht zufrieden wären und zusätzlich wirkten einige Akteure in der Schlussphase etwas erschöpft. Allerdings schaffte es der Sportclub trotzdem immer wieder Ballbesitzphasen einzustreuen und den ganz großen und dauerhaften Druck der Gladbacher abzuwenden. (Beispielsweise um die 60 Minute hatte der Gegner eine recht gute Phase. In der 63. Minute konnte Waldschmidt dann aber gefährlich in den Strafraum eindringen und von der 66.-69. Minute hielt Freiburg den Ball in den eigenen Reihen.) So wurde man nie vollkommen dominiert und konnte das Spiel bis zum Ende offen halten. Selbst in der 88. Minute kam Gondorf noch einmal zu einem akzeptablen Abschluss.

3. Fazit

Freiburg schaffte es gegen recht passive Gladbacher den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten als sonst und produzierte dabei kaum Fehler. Mit dem eigenen gut abgestimmten Pressing gelang es, die hohe Qualität des Gegners im Kombinationsspiel größtenteils zu unterdrücken. Man konnte nicht unbedingt mit einem Punkt im fremden Stadion gegen den Tabellenvierten rechnen. Noch überraschender war vielleicht die Art und Weise, dass der Sportclub trotz einiger bedeutender Ausfälle sich nicht auf Pressing und Umschaltspiel beschränkte, sondern versuchte, etwas mit dem Ball zu kreieren.

4. Keven Schlotterbeck

Man wird wohl nicht daran vorbeikommen, die Leistung von Schlotterbeck zu loben.

67 Pässe (62 angekommen)
93% Passquote
90% gewonnene Zweikämpfe
10,68 gelaufene Kilometer

Insgesamt hatte wohl niemand mit so einer Leistung des jungen Innenverteidigers gerechnet, der der Ersatz für den Ersatz war. Mit und gegen den Ball war das eine herausragende Leistung von ihm.

Ohnehin fällt auf, dass der Sportclub in letzter Zeit seine individuellen Fehler größtenteils Abstellen konnte, obwohl es einige Ausfälle in der Defensive gab.

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