Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 0 : 6

Sonntagsspiele sind zeitlich nicht optimal für Texte auf dem Blog. Ich wollte den Text schon ausfallen lassen, aber jetzt schreibe ich es doch am Abend schnell herunter.

1. Die Aufstellungen

Streich stellte nur auf einer Position um. Demirovic kam zu seinem Startelfdebüt in dieser Saison und verdrängte Jeong auf die Bank. Dazu war Petersen nach längerer Verletzung endlich mal wieder im Kader, wurde aber nicht mehr eingewechselt. Der Spielverlauf machte es auch nicht nötig. Kevin Schade blieb weiter in der Startelf, auch weil seine Leistung gegen Bochum wirklich ansprechend war.

Systematisch blieb man im 4-4-2. Der SC Freiburg scheint ohnehin immer mehr dahinzugehen, die Formation des Gegners bewusst nicht zu spiegeln, um sich gewisse Vorteile auf dem Feld zu verschaffen. Das zeigt, dass man sich in den letzten Jahren durchaus weiterentwickelt hat.

NACHTRAG: Streich sagt auf der PK explizit, dass man mit einer neuen Systematik an das Spiel gegangen ist. 4-2-3-1 und hoch im Pressing. Der Unterschied zum 4-4-2 sind dann engere Flügelspieler und Demirovic als einzige Spitze. Ich hatte das eher als Detailanpassung im 4-4-2 gesehen.


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2. Die erste Halbzeit

Es gibt in meinen Notizen die Rubrik „Minute 0 bis 5“. Anfangsphasen sind häufig speziell. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass dort schon einmal „zwei Angriffe, zwei Tore“ stand. An beiden Treffern war Kevin Schade maßgeblich beteiligt. Beim ersten setzte er dem Ball nach, dribbelte sich gegen zwei Gegenspieler durch und brachte die Flanke zu Eggestein, der das 0:1 aus kurzer Distanz schoss. Interessant war dabei, dass sich der Achter im 4-4-2 am Fünfmeterraum positionierte. Das war schon offensiv. Die spezielle Strafraumbesetzung war in dieser Szene aber gar nicht so optimal. Drei Spieler stand zentral und der Rest des Sechzehners war frei.
Das 0:2 war eine hohe Flanke von Günter, die Schade dann durch einen sehr hohen Sprung „einköpfen“ konnte. Scally war gefühlt einen Meter unter ihm.

Beiden Treffern ging ein langer Ball voraus. Den ersten machte Schade fest und ging nach links ins Dribbling, der zweite wurde von Höler verlängert.
Freiburg setzte danach weiter auf lange Bälle – und das funktionierte hervorragend. Höler gewann 7 von 12 Kopfballduellen, Schade gewann 5 von 6. Flekken schlug 27 lange Bälle und 15 kamen an. Hohe Bälle wären somit Grund 1 für eine hohe Gladbacher Niederlage.

Grund 2 waren sicher die Standards – denn nun folgten vier Tore nach ruhendem Ball.
In der 12. Minute zog Grifo einen Standard aus dem Halbfeld auf das Tor, N. Schlotterbeck verpasste, Sommer „ließ klatschen“, Lienhart machte sein viertes Saisontor.
In der 18. Minute kam Freiburg nach einer kleinen Druckphase zum Eckball und dort ließ Gladbach tatsächlich Höfler am kurzen Pfosten zu Kopfball kommen, obwohl so langsam jeder in der Bundesliga diese Variante kennen müsste.
Vor dem 0:5 traf Koné Schade ziemlich übel und holte sich absolut zu Recht die gelbe Karte ab. Grifo spielte einen wunderschönen Flugball diagonal an den zweiten Pfosten auf N. Schlotterbeck, der köpfte nach innen, Elvedi verlängerte, Höfler legte Höler auf und der köpfte aus unter zwei Metern ins Tor.

Hütter reagierte mit einem Doppelwechsel und einer Umstellung auf 4-4-2. Daraufhin verflachte das Spiel etwas. Gladbach kam mal zu Abschlüssen, die Flekken parierte. Nur kurz danach wurde aber mal wieder Schade gefoult. Es gab einen Freistoß und N. Schlotterbeck erzielte endlich sein erstes Saisontor. In dem Interview nach dem Spiel sagte er, es war bereits sein sechzehnter Abschluss in dieser Saison.

3. Die zweite Halbzeit

Direkt nach der Pause konnte man gut Grund 3 für den hohen Sieg ausmachen: Freiburg presste sehr seriös und N. Schlotterbeck war mal wieder sehr dominant in den Zweikämpfen. Beim Stand von 0:6 spielten beide Teams etwas ruhiger. Freiburg lief die Innenverteidiger nicht intensiv an, sondern verschob nur diszipliniert und Gladbach spielte gerne mal hinten herum. Aber sobald Gladbach dann doch ins Zentrum spielte, war Freiburg mit der nötigen Intensität bei der Sache. Somit entwickelten sich sehr ereignisarme zweite 45 Minuten. Freiburg „verschluderte“ zwei Konter, bekam einen Strafstoß nicht, hatte aber auch selbst Glück bei einer Strafraumsituation in der ersten Halbzeit (Flekken gegen Thuram). Streich ließ am Ende noch K. Schlotterbeck und Gulde spielen. Diese seriöse zweite Halbzeit scheint aber ein recht gutes Zeichen gewesen zu sein. Es passiert ja sehr schnell, dass man trotz eines hohen Sieges noch schlechte Laune bekommt, weil es am Ende doch „nur“ 3:6 ausgeht. Nun hat man aber ein ungetrübtes „zu null Spiel“ mit sechs verschiedenen Torschützen als reine feel-good Story.

4. Einzelspieler

Man muss Kevin Schade sehr hervorheben. Unter Streich gab es noch keinen Freiburger Offensivspieler mit einer vergleichbaren Physis. Die langen Bälle auf ihn und Höler waren enorm effektiv, weil sich beide sehr gut gegen ihre Gegenspieler durchsetzen konnten. Dazu war sein Kopfball zum 0:2 hervorragend und seine Schnelligkeit stellt jede Abwehrreihe vor große Probleme. In diesem Spiel funktionierte auch sehr viel und das wird nicht immer so sein, aber hier deutet sich eine sehr interessante Freiburger Geschichte an.

Nach zwei nicht ganz so perfekten Spielen knüpfte N. Schlotterbeck wieder an seine starke Form in dieser Saison an. Mal sehen, ob er die nächste englische Woche durchspielen kann. Ansonsten wird man mal den Vergleich haben, wie der SC ohne ihn aussieht.

Höfler und Eggestein sammelten sehr viele Bälle im Mittelfeld ein. Letzterer hat bisher noch keine besonders auffälligen Spiele seit seinem Wechsel gemacht und konnte nun sein erstes Tor erzielen.

Grifo schoss alle vier Standards, die zu Toren führten. Durch den Fokus auf die langen Bälle hatte er weniger im Aufbau zu tun als sonst im 4-4-2. Dafür war er besonders präsent im Pressing.

5. Fazit

Es ist schwer, die Bedeutung dieses Spiels schriftlich zu transportieren, ohne „zu dick aufzutragen“. Im Prinzip kann man einfach nur wiederholen, dass man auswärts gegen Gladbach nach 25 Minuten mit fünf Toren in Führung war. Der SC Freiburg ist normalerweise nicht das Team, das bei solchen denkwürdigen Abenden in der Bundesliga eine große Rolle spielt. Das hatte in diesem Fall auch durchaus mit einer schlechten Verteidigung beim Gegner und einer optimalen Chancenverwertung zu tun, aber dennoch sah man in diesem Spiel, dass es eine erstaunlich gute Freiburger Mannschaft in der Saison 2021/22 ist.