Borussia Dortmund – SC Freiburg 4 : 0

1. Das Spiel (Kurzzusammenfassung)

Immerhin 30 Minuten schaffte es der SC Freiburg gegen Dortmund bis auf einen Distanzschuss von Bellingham keine Abschlüsse zuzulassen. Mit der ersten richtigen Chance des Gegners kassierte man dann aber auch das erste Gegentor. Reus gewann den Ball gegen Höfler zentral vor dem Strafraum, leitete zu Reyna weiter, der dann den Ball in den Lauf von Haaland in den Straufraum passte. Haaland kam direkt zum Schuss und traf zum 1:0.
Danach kamen die Dortmunder immer besser ins Spiel und Freiburg hatte Glück, mit nur einem Tor Rückstand in die Pause zu kommen.
Nach dem Seitenwechsel ließ man schnell eine Ecke zu, bei der Can sich von Schmid lösen konnte und das 2:0 köpfte. Streich sah sich das noch ein paar Minuten an und wechselte daraufhin vierfach. Das Aufbauspiel des Sportclubs verbesserte sich leicht, doch das änderte nicht viel am Spielverlauf. Ein erneuter Ballverlust im Mittelfeld wurde erneut von Reyna und Haaland ausgenutzt. Freiburg bemühte sich weiter, hatte in der 82. Minute die einzigen beiden nennenswerten Abschlüsse im Spiel: Distanzschuss Santamaria (herausgespielt) und einen Schuss im Sechzehner von Grifo (Ballgewinn nach hohem Pressing).
In der Nachspielzeit kam der BVB dann zum dritten Tor nach Ballgewinn. Ein kurz ausgeführter Freistoß wurde geklärt, Haaland sprintete mit dem Ball über das halbe Feld, legte quer auf den eingewechselten Passlack und der machte das letzte Tor des Spiels. 4:0 für Dortmund.

2. Drei Spiele, drei Formationen

Nachdem Freiburg gegen Stuttgart überraschend im 4-1-4-1 aufgelaufen war, kehrte man im zweiten Spiel gegen Wolfsburg zum 4-4-2 zurück. Gegen Dortmund gab es nun die dritte Anfangsformation im dritten Spiel. Streich spiegelte die Aufstellung des Vizemeisters und brachte ein 3-4-3 auf das Feld:

  Höler   Petersen   Sallai  
Günter   Höfler   Santamaria   Schmid
  Heintz   Lienhart   Gulde  
      Müller      

 

Das 4-1-4-1 passte schon auch zur Aufbauformation Stuttgarts, aber hier hatte man es noch am ehesten mit einer Anpassung zu tun, die auf das eigene Angriffsspiel abgestimmt war. Gegen Wolfsburg wollte man Gleichzahl im Zentrum herstellen und gegen Dortmund hatte man nun relativ klare Mannorientierungen. Die Gegneranpassung wurde also zunehmend auf das gegnerische Aufbauspiel ausgerichtet. Das ergibt auch Sinn, wenn man bedenkt, dass die Offensivqualitäten sich nun von Gegner zu Gegner gesteigert haben.

3. Was funktionierte in diesem Spiel?

Ein Spiel, das 4:0 endet und bei dem man kaum eine eigene Chance erspielen konnte, klingt zunächst einmal nach eine sportlich schlechten Leistung. Es gab allerdings durchaus einige positive Aspekte beim SC Freiburg in der Partie. Es wurde schnell deutlich, dass der Sportclub keine Probleme hatte, das Spielsystem zu ändern. Im 3-4-3 waren die Abläufe gerade gegen den Ball sehr klar. Man schaffte es häufig Mannorientierungen herzustellen und gleichzeitig die herausrückenden Bewegungen der Außenverteidiger durch Herumschieben der Abwehrkette abzusichern. Dortmund kam aus dem eigenen Aufbau in der Anfangsphase kaum zu Chancen. Und auch in der zweiten Halbzeit resultierten die meisten gegnerischen Abschlüsse aus Umschaltaktionen. Die wenigen Tormöglichkeiten aus dem Aufbau heraus, wie zum Beispiel der Kopfball von Reus in der 64. Minute, waren dann im letzten Drittel vom Gegner einfach sehr schnell, direkt und sauber herausgespielt. So etwas ist schwer zu verhindern. Das Verteidigen aus der normalen Aufbausituation hat also fast über 90 Minuten recht gut funktioniert.

Das hohe Pressing führte leider nur selten zu klaren Ballgewinnen und Umschaltchancen, war aber dennoch recht gut ausgeführt. Freiburg hatte eine hohe Intensität beim Anlaufen und war gut aufeinander abgestimmt. Hätte Akanji vielleicht mal wieder einen etwas schlechteren Tag erwischt, hätte das auch besser funktionieren können. So viele Aufbaureihen wird es in der Saison nicht mehr geben, die sich so sicher aus einem hohen Freiburger Pressing heraus kombinieren können, sollte es ähnlich gut ausgeführt werden wie gegen Dortmund.

Auch mit dem Ball gab es einige ganz gute Phasen. In der zweiten Halbzeit – besonders nach der Einwechslung von Schlotterebeck – kam man gut aus der eigenen Hälfte heraus und konnte sich nach vorne kombinieren. Die Passquote von 81% (trotz nur 34% Ballbesitz) war die bisher beste in der Saison.

Als letzten positiven Aspekt wäre noch die Bank zu nennen. Zwar hatte gerade Kwon keinen besonders glücklichen Tag nach der Einwechslung, aber Schlotterbeck, Grifo und Jeong machten es zumindest nicht schlechter als ihre Vorgänger. Es ist schön zu sehen, dass es Alternativen gibt, die recht nah am Kader sind und Streich in engen Spielen reagieren kann.

4. Gründe für die Niederlage

Trotz der gerade genannten positiven Aspekte, war das 4:0 kein Zufall, sondern Resultat deutlicher Überlegenheit des BVB in einigen Bereichen. Den größten Unterschied nannte Streich bei der Pressekonferenz nach dem Spiel: Dortmund gewann in der Defensive fast alle Luftzweikämpfe. Petersen bekam bei neun Versuchen nur zweimal den Kopf an den Ball. Das war ein größeres Problem, da Dortmund hoch presste und Freiburg zu langen Bällen zwang. Diese führten kein einziges Mal zu einem gefährlichen Angriff, sondern wurden fast immer von Hummels, Can und Akanji eingesammelt.

Doch nicht nur in der Luft, sondern auch insgesamt zeigte Dortmund im Spiel gegen den Ball auch als Favorit eine sehr konzentrierte Leistung. Ihr Anlaufen ziemlich sauber (typisch Favre) und kam der Sportclub doch ins letzte Drittel, zogen sich auch die Angreifer schnell hinter den Ball zurück. Auch bei den wenigen halbhohen Ballgewinnen des Sportclubs, brauchte das Heimteam nur wenige Sekunden, um wieder in die Ordnung zu kommen.

Soweit zu den Gründen, warum der Sportclub trotz immerhin ein paar guter Ansätze im Ballbesitz kein Tor erzielen konnte. Die vier Gegentore sind ebenfalls durch mehrere Aspekte zu erklären, die hier zusammenkamen:

1. Haalands Abschlussqualitäten sind mindestens unter den Top 3 der Bundesliga. Die beiden Tore waren recht typisch für ihn. Er schoss links vom Tor mit dem linken Fuß beim ersten Kontakt stramm am Torhüter vorbei. Seine Dynamik beim Einlaufen in den Strafraum ist auch wirklich beeindruckend.

2. Trotz der hohen Qualität des BVB ist das Team von Favre eher eine Pressing- und Umschaltmannschaft mit sehr sauberen Abläufen. Sie bekommen Schwierigkeiten, wenn sie in Rückstand geraten. In Führung können sie sich an ihren „Plan A“ halten und nach Ballgewinn vertikal kombinieren. Drei der vier Tore entstanden aus Umschaltaktionen. Der Spielverlauf kam ihnen sehr entgegen.

3. Bei allen vier Gegentoren sahen einzelne Spieler beim SC Freiburg nicht so gut aus. Vor dem 1:0 hält Höfler den Ball zu lange und lässt ihn sich von Reus abnehmen. (Höfler hatte im Spiel drei Dribblings und häufig ging es über ihn nach vorne. In dieser Situation hatte er sich aber deutlich verschätzt.) Beim 2:0 nach Ecke schafft es Schmid nicht, bei Can zu bleiben, der dann sehr frei zum Kopfball kommt. Das 3:0 ist ein zu kurzer Pass von Kwon zurück auf Schlotterbeck. Durch den unerwarteten Ballverlust steht die Dreierkette nicht besonders gut, um den Konter zu verteidigen. Vor dem 4:0 bringen Günter und Grifo den Standard nicht in den Strafraum, sondern werden geblockt. Haalands Sprint von Strafraum zu Strafraum ist dann kaum zu verteidigen.

5. Fazit

Es war wohl kein guter Zeitpunkt, um auf diesen Gegner zu treffen. Nach Niederlagen gegen Augsburg und Bayern zeigte Dortmund eine sehr konzentrierte Leistung und war defensiv sehr gut im Spiel. Offensiv waren sie erst effizient und nutzten dann die sich ergebenden Räume mit Kombinationen, die nicht nur sehenswert waren, sondern auch einen guten „Zug zum Tor“ hatten.
Freiburg hatte defensiv gute 30 Minuten, fand nach dem Rückstand aber nicht mehr ins Spiel. Grund dafür waren die verlorenen langen Bälle, vereinzelte Fehler im Spielaufbau, weil man versuchte sich durchzukombinieren, und zu wenig Torgefahr im letzten Drittel. Letzteres lag dann auch daran, dass im 3-4-3 der Strafraum häufig nicht so gut besetzt ist. Günters Flanken stellten überhaupt kein Problem für die Dreierreihe des BVB dar. Andererseits war es eben auch schwierig noch mehr Spieler vor den Ball zu bringen, wenn man Dortmunds Qualität bei Kontern bedenkt. Wahrscheinlich war der Gegner an diesem Tag einfach etwas zu gut für Freiburg. Es wäre nicht das erste Mal, dass das gegen Dortmund passiert ist.

Betrachtet man die ersten drei Spiele, hat der Sportclub nun gegen einen Aufsteiger gewonnen, gegen einen Europa-League-Qualifikationsteilnehmer unentschieden gespielt und gegen den Vizemeister verloren. Das klingt in etwa nach dem, was man im Vorhinein auch erwarten konnte.

Betrachtet man die verschiedenen Herangehensweisen und Spielverläufe, ist es aktuell noch schwierig, den weiteren Verlauf der Hinrunde abzuschätzen. Mit drei verschiedenen Systemen ist die Flexibilität bisher die größte Konstante. Gegen Stuttgart war es deutlich offensiver, gegen Wolfsburg eher verhaltener als erwartet. Gegen Dortmund presste man hoch, kam aber kaum zu Chancen.
Durch die Formationswechsel gab es auch einige personelle Umstellungen. Santamaria für Jeong und Gulde für Grifo. Ansonsten bildet sich allerdings schon recht deutlich eine Top-13 heraus.

Nach der Länderspielpause geht es gegen Bremen und Union. Danach lässt sich vielleicht etwas mehr über den Saisonstart des SC Freiburg aussagen.

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