Borussia Dortmund – SC Freiburg 1 : 0

1. Die Aufgabe

Es ist nicht leicht, sich gegen einen Gegner wie Dortmund in der aktuellen Situation einen guten Plan zurechtzulegen. Man möchte sich nicht dauerhaft an den eigenen Strafraum drängen lassen, da der Gegner so kombinationsstark ist. Andererseits wäre ein hohes Pressing riskant. Durch Hummels gibt es immer die Möglichkeit eines sehr genauen Passes hinter die letzte Linie. Beides gleichzeitig wird man nicht verhindern können, denn sonst wären die Abstände zwischen den Ketten zu groß. Ebenso wie diese verschiedenen Möglichkeiten im Spiel nach vorne könnte man die einzelnen Mannschaftsteile von der Borussia durchgehen. Die Außen Hakimi und Guerreiro sind sehr schnell. Gleichzeitig ist das offensive Zentrum mit Sancho, Brandt und Hazard hervorragend besetzt und von hinten schieben Can und Witsel nach. Es gibt auf dem Papier im Prinzip kaum eine sichere Variante, die man Dortmund entgegensetzen könnte. Und dann soll man noch Ideen haben, wie man selbst zu Torchancen kommt.

2. Aufstellung und Herangehensweise

Zusätzlich zu der schweren Aufgabe, hatte Freiburg mit ein paar eher kurzfristigen Ausfällen zu tun. Koch, Waldschmidt, Abrashi und Kwon standen nicht zur Verfügung. Dennoch entschied sich Streich für eine 5-4-1-/ 3-4-3-Formation.

    Petersen    
Grifo       Sallai
  Höfler   Haberer  
Günter       Schmid
  Heintz Lienhart Gulde  
    Schwolow    

 

Der BVB lief ebenfalls im 3-4-3 auf.

Auf die Probleme, die die Dortmunder Qualität dem SC Freiburg bereitete, regierte man mit einem recht kompakten Pressing. Es ist nur schwer schriftlich zu beschreiben, da es sich flexibel an die Spielsituationen anpasste und nicht einfach nur Mannorientiert war. Das wäre mit den identischen Formationen zwar kein Problem der Aufteilung geworden, aber man wollte sich wahrscheinlich nicht darauf einlassen, dass große Lücken entstehen, wenn auch nur ein Spieler ausgespielt wird.

Grifo und Sallai liefen also nicht immer Zagadou und Piszczek an, sondern verschoben ballorientiert. Das führte dazu, dass sie sich teilweise auch um die Außenverteidiger kümmerten. Schaffte man es aber die Passwege zu schließen und kompakt zum Ball zu stehen, versuchte man aber durchaus den Dortmunder Aufbau unter Druck zu setzen und nach hinten zu schieben. Dann rückte auch Günter mit vor in das Angriffspressing. Wurde man allerdings überspielt, zog sich der Sportclub im 5-4-1 an den eigenen Strafraum zurück und versuchte wieder von dort aus, Dortmund zurückzudrängen. Das Pressing war also nicht allgemein offensiv oder defensiv, sondern die Höhe war abhängig von der Qualität der Ausführung. Stand man gut zum Ball, konnte man herausrücken, kam man nicht hinterher, musste man sich zurückziehen.

3. Die erste Halbzeit

Der Pressingplan war gut und ging prinzipiell auch auf. Dortmund hatte über 90 Minuten, gemessen an ihrer individuellen Qualität, recht wenige Abschlüsse und gleichzeitig gab es auf Freiburger Seite einige ganz gute Ballgewinne. So schaffte man es auch, fünfzehn Minuten keinen Abschluss zuzulassen, auch wenn man in dieser Phase kaum eigene, die Abwehr entlastende hatte. Dann setzte sich aber die Dortmunder Qualität durch. Brandt nahm einen halbhohen Ball mit der Brust an, spitzelte ihn durch zwei Spieler durch, Hazard gewann den Zweikampf gegen Lienhart und spielte am heraneilenden Heintz vorbei zum freistehenden Sancho, der dann das 1:0 erzielte.

Es war etwas unglücklich, mit dem ersten Abschluss des Gegners gleich den ersten Gegentreffer zu kassieren, aber Dortmund war in dieser Phase auch sehr überlegen, wenn auch auf eine geduldige und etwas träge Art. In den ersten 25 Minuten hatte der Sportclub keinen eigenen Abschluss, da sie sich nicht gegen das Dortmunder Pressing durchsetzen konnten und die eigenen Balleroberungen schlecht ausspielten. Das änderte sich nach etwa 20 Minuten, auch weil das Heimteam noch etwas passiver gegen den Ball wurde.

Freiburg zeigte ein interessantes Aufbauspiel. Haberer oder Höfler ließen sich häufiger in die Dreierkette neben Lienhart fallen und Gulde und Heintz positionierten sich sehr breit. Die drei Dortmunder Angreifer konnten diese Breite nicht abdecken, wodurch Freiburg sicherer in der Ballzirkulation wurde und zusätzlich gerade Heintz manchmal mit dem Ball am Fuß ins Mittelfeld dribbeln konnte. Freiburg kam noch in der ersten Halbzeit zu Chancen. Grifo wurde beispielsweise nach längerer Ballbesitzphase mit einer „Steil-Klatsch-Steil-Kombination“ freigespielt, verfehlte aber das Tor aus Sechzehn Metern.
Danach lief einmal Heintz (nach beschriebenem Viereraufbau) durch, spielte einen Doppelpass mit Grifo und kam im Strafraum zum Abschluss.
Etwas später eroberte Grifo einen Ball im Gegenpressing und Sallai schoss aus der Distanz. Die darauffolgende Ecke wurde geklärt, der zweite Ball wieder in den Strafraum gespielt und erneut kam Sallai zum Abschluss.

Nach 45 Minuten hatte der Sportclub die Schussstatistik ausgeglichen (6:6), immerhin 40% Ballbesitz und zwei Ecken herausgespielt. Als individuell klar unterlegene Mannschaft war das gar nicht so schlecht.

4. Die zweite Halbzeit

Zur Pause kamen Keitel und Akanji für Hummels (angeschlagen!) und Haberer (angeschlagen?). Individuell machte das zwar schon einen Unterschied, änderte aber nichts an dem Gesamtcharakter des Spiels.

Freiburg presste etwas höher, wurde dadurch allerdings auch häufger überspielt. Da der BVB im Ballbesitz aber weiterhin eher behäbig agierte, entstanden daraus nicht so viele Chancen. Dabei blieb es auch. Wenn Dortmund nicht in eine Umschaltaktion kam oder Brandt beziehungsweise Sancho irgendetwas Abgefahrenes mit dem Ball anstellten, blieb es eher ungefährlich.

Auf er anderen Seite fand Freiburg immer besser ins Spiel, wurde griffiger im Pressing und spielte im letzten Drittel etwas genauer. In der 68. Minute kam Schmid im Strafraum zum Abschluss, zwei Minuten später konnte Bürki einen Freistoß von Grifo nur zur Ecke klären, vier Minuten später hatte der eingewechselte Höler eine super Balleroberung, verlor aber leichtfertig den Ball. Diese Druckphase endete dann mit einer Großchance: Höler konnte einen Pass in die Tiefe erlaufen und flankte auf Petersen. Der Freiburger Stürmer stand vollkommen frei am Fünfmeterraum, köpfte an Bürki vorbei, aber Piszczek klärte auf der Linie.

Der SC Freiburg konnte diese Druckphase allerdings nicht aufrechterhalten und kam erst in den letzten Minuten wieder zu ein paar Offensivszenen. Am Ende stand eine knappe Niederlage für den Sporrtclub, nach einer Partie, die insgesamt ganz gut, in der man aber nicht effizient genug war, um Dortmund vor eine größere Aufgabe zu stellen. Das Heimteam wird das Spiel wohl als klassischen „Arbeitssieg“ abhaken.

5. Chancenverwertung

Für ein bis drei Punkte gegen ein Team von der Qualität von Dortmund, Leipzig oder Bayern müssen ein paar Faktoren zusammenkommen. Es braucht erstens eine gute Leistung Freiburgs zweitens ein bisschen Glück bei der Form des Gegners und drittens eine gute Chancenverwertung. An diesem Tag fehlte vor allem Letzteres.

Damit war dieses Spiel aber kein Einzelfall. Gegen Paderborn, Düsseldorf, Augsburg und Dortmund spielte man sich nicht weniger Torchancen heraus wie in der Hinrunde, schoss aber insgesamt nur ein Tor. In den letzten sechs Spielen erzielte man auch nur zwei Tore, bei überschlagen 7,5 expected Goals. Gehörte man in der Hinrunde noch zu den Teams, die deutlich mehr Tore schossen, als man nach dieser Statistik erwarten konnte, ist man nun schon auf dem 4. Platz der schlechtesten Chancenverwertung. Diese starken Ausschläge kann man wahrscheinlich nicht monokausal erklären.

Streich erklärte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, dass man in der Hinrunde oft durch Einwechselspieler, die mit zwei oder drei Aktionen schon Tore erzielten oder vorbereiteten, knappe Spiele für sich entscheiden konnte. Durch die Krankheiten seit der Winterpause sei dieser Effekt abgeschwächt worden. Das klingt zunächst plausibel und ist ein guter Hinweis, auch wenn es den Sachverhalt nicht vollständig erklären kann. Allerdings reichen häufig Kleinigkeiten, um eine Eigendynamik im Fußball in Gang zu setzen: Man ist nicht mehr ganz so effizient in der Schlussphase, es fehlen die Erfolgserlebnisse, es erhöht sich der Druck in einzelnen Situationen, es kommt zu Problemen bei der Entscheidungsfindung und damit zu überhasteten Abschlüssen usw. So erklärt es sich dann auch, dass Ergebniskrisen zu spielerischen Einbrüchen führen können.

So weit ist es beim SC Freiburg aber noch nicht. Spielerisch sieht es nicht viel schlechter aus als in der so erfolgreichen Hinrunde. In einem Spiel gegen Dortmund konnte man sogar einige Ausfälle kompensieren und wurde nicht auseinandergenommen, was bei der aktuellen Dortmunder Form durchaus im Bereich des Möglichen lag.
Etwas enttäuschend ist diese Phase allerdings schon, gerade weil mit dieser Mannschaft und den aktuellen Leistungen bei einer besseren Chancenverwertung etwas mehr möglich wäre.

6. Einzelspieler

Lienhart, der in letzter Zeit kaum Einsätze bekam, machte ein gutes Spiel. Allerdings ließ sich auch sein Konkurrent Gulde in diesem wie in den vorherigen Spielen nichts zuschulden kommen.

Keitels 45 Minuten waren nicht besonders auffällig, was aber ein ganz gutes Zeichen bei Can und Witsel als Gegenspieler ist.

Sallai und Grifo hatten ihre Szenen. Höler schien es gut zu tun, mal wieder von der Bank zu kommen.

Petersen findet gerade nicht zu seiner Form. Sein Anlaufen ist weiterhin gut, aber im Spiel mit dem Ball und auch bei seinen Abschlüssen sticht er gerade nicht heraus. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern.

Schwolow war sicher mit dem Ball am Fuß und hatte eine sehr wichtige Parade in der Schlussphase.

 

7. Spenden

Wer diesen Blog mit einer kleinen Spende unterstützen möchte, kann das hier tun. Ziel ist zunächst die Finanzierung der Serverkosten. Zusätzlich wünsche ich mir ein richtiges Sky-Abo, womit ich nicht immer auf Angebote von Sky-Ticket lauern muss. Damit läuft ein Spiel ohnehin nur selten 90 Minuten flüssig durch.

Eine direkte Überweisung ist für mich selbstverständlich noch besser:

Empfänger: Michael Tschirwa
IBAN: DE 39 6609 0800 0017 4666 17
BIC: GENODE61BBB
Bank: BBBank
Stichwort: Zerstreuung Fussball