Bayer 04 Leverkusen – SC Freiburg 1 : 2


1. Aufstellung

Streich blieb beim 4-4-2, brachte aber Demirovic, Heintz und Kübler für Petersen, Haberer und Gulde. Schmid rückte eine Position nach vorne.

  Demirovic   Höler  
Grifo Höfler   Santamaria Schmid
Günter Heintz   Lienhart Kübler
    Müller    

2. Leverkusen besser als Dortmund

Die Aufstellung erinnerte an das Hinspiel, denn auch da wurde Schmid in die Offensive gezogen. Taktisch kann man es aber eher mit dem Spiel gegen Dortmund vergleichen. Das Anlaufverhalten gegen einen Sechser, zwei Achter und einer Viererkette war praktisch identisch.
Die eigene Viererkette kümmerte sich um die drei Stürmer und die Flügel blieben bei den Außenverteidigern. Höfler und Santamaria verfolgten die Achter Amiri und Wirtz. Blieben noch die Innenverteidiger Tapsoba und Tah und der alleinige Sechser Aranguiz gegen die zwei Stürmer Höler und Demirovic. Die praktizierten dann auch das „Anlaufen vom Sechser weg“, wie Streich es gegen Dortmund nannte. War der Ball auf links, lief Demirovic an und Höler blieb beim Sechser, wechselte der Ball auf rechts, lief Höler an und Demirovic rückte zurück zum Sechser.

Delaney, Hummels und Akanji waren damals überraschend überfordert von der sauberen Ausführung des Unterzahlpressings Jeongs und Demirovic‘ und kam kaum ins letzte Drittel. Leverkusen konnte das schon besser umspielen. Meistens rückte ein Achter (oft Amiri) schnell zurück, wurde angespielt und ließ zu Aranguiz klatschen. Da Demirovic oder Höler den Ball von vorne auf Aranguiz verhindern wollten, hatte der dann in ihrem Rücken den Ball und war kurze Zeit ohne Gegenspieler. Dann musste sich der Sportclub schnell tief fallen lassen.

Dafür, dass Leverkusen das Pressing langsam aber regelmäßig überspielen konnte, war das Team von Bosz dafür im letzten Drittel etwas harmlos. Sie ließen sich von eigentlich guten Ausgangsposition sehr leicht nach Außen abdrängen und trafen dann auf eine wieder sortierte Abwehr des Sportclubs. Von dort aus schaffte es Freiburg den Gegner wieder häufig zurückzudrängen.
Im Ergebnis hatten „die Pillendreher“ (nicht der Käfer!; Eigenbezeichnung in einer Kampagne 2006) die Spielkontrolle, kamen immer wieder zu Chancen über Außen, ließen aber große Druckphasen vermissen. Selten jagte ein Torschuss den nächsten. Es war eher eine geduldige Überlegenheit.

Auf der anderen Seite brachte Freiburg nach vorne kaum etwas zustande. Offensichtlich setzte man auf das Umschaltspiel und bei eigenem Aufbau auf riskante Schnellangriffe, aber man kam so nicht zu Abschlüssen. In der 24. Minute gab es mal ein schönes Anspiel auf Höler im Sechzehner, der den Ball aber unsauber stoppte und eine Minute später spielte man sich sehr schön über vier Stationen eine Flankenposition von Schmid heraus, wurde dann aber geblockt. Die größte Chance in der ersten Halbzeit resultierte aus einer Ecke. Demirovic stand in der 45. Minute am zweiten Pfosten sehr frei, bekam aber nicht genug Druck auf den Ball. Den Standard hatte man sich in Überzahl erspielt, da Fosu-Mensa bereits verletzungsbedingt aus- und Dragovic noch nicht eingewechselt wurde.

Leverkusen war 45 Minuten lang deutlich überlegen.
Deswegen ist in dieser Zeit auch besonders ein Freiburger hervorzuheben: Müller parierte drei gute Chancen in der ersten Halbzeit. Die Paraden gegen Bailey (Distanzschuss) und Gray (spitzer Winkel) waren gut, wurden aber deutlich von dem Reflex nach Alarios Kopfball aus ca fünf Metern in den Schatten gestellt.

3. Die zwei Tore

Nach der Pause ging das Spiel zwischen den Strafräumen hin und her, bis Höler diesem Treiben ein Ende setzte.
Hier nochmal die Minute vor dem Tor in Schriftform:
Es gab einen Freistoß für Freiburg, der nach hinten ausgespielt wurde. Heintz passte weit vor auf Grifo, der isoliert gegen zwei den Ball abgenommen bekam. Höler unterband den Gegenstoß per Grätsche. Bailey führte den Einwurf schnell aus. Aranguiz schickte Gray per Volley diagonal. Müller kam raus und schoss den Ball hoch in den Mittelkreis. Wirtz ließ die Kugel „aufklatschen“ und spielte unsauber in Richtung Aranguiz. Santamaria und Höler wären beide vor dem Leverkusener am Ball gewesen, rannten sich zum Glück nicht Gegenseitig über den Haufen, sondern einigten sich auf Höler, der nach rechts „abdriftete“. Schmid lief an der Seitenauslinie mit und zog Wendell raus. Höler erkannte das, ging ohne einen Zweikampf zu führen zwischen Wendell und Aranguiz durch in den Strafraum, legte zur Seite ab und Demirovic traf vom Elfmeterpunkt aus. Höler war tatsächlich vom Mittelkreis bis in den Strafraum durch die Leverkusener Hintermannschaft spaziert. Das Entscheidende war, dass Höler die Situation richtig erkannte. Auf den ersten Blick sah es so aus, als ob zwischen ihm und dem Tor drei Spieler stünden. Tatsächlich war Wendell aber zu Schmid orientiert, Tapsoba musste den Sechzehner abdecken, weil Santamaria mit durchgelaufen war und Aranguiz hatte einen halben Schritt Rückstand zu Höler. Er musste also nur kurz anziehen, um durchzubrechen. Und das machte er dann auch.

Das zweite Tor hatte seinen Ausgangspunkt in einem sehr ambitionierten, flachen Pass von Tapsoba auf Wirtz. Der Ball ging durch Demirovic, Schmid und Santamaria durch, aber Höfler bekam gerade noch seinen Fuß dazwischen. Danach spielte es der Sportclub sehr geradlinig aus. Höfler legte auf Santamairia und der weiter auf rechts Außen zu Schmid. Demirovic ging steil auf den recht Flügel und Schmid steckte durch. Mit dem ersten Kontakt legte Demirovic den Ball in den Strafraum, wo ihn Höler verpasste und Grifo ihn aber am zweiten Pfosten einsammeln konnte. Grifo legte mit dem ersten Kontakt zurück auf Höler, der dann frei aus 5 Metern ins Tor einschieben konnte. Hier muss man den Spieler des Spiels aber eher kritisieren. Er ging in der Situation nicht schnell genug aus dem Abseits heraus und hatte Glück, dass er gerade noch auf gleicher Höhe mit Dragovic stand. Das hätte fast ein sehr klares Tor gekostet.

Beide Tore resultierten direkt aus Balleroberungen im Mittelfeld. Das offensive Moment im Pressing kam also optimal zur Geltung.

4. Umstellungen in der zweiten Halbzeit

In der 67. Minute brachte Bosz Frimpong und Schick für Gray und Amiri und stellte auf ein 4-2-4 um. Schick kann sehr gut lange Bälle festmachen und ablegen oder im Strafraum direkt zum Kopfball kommen. So leitete er auch das 1:2 ein. Er legte einen langen Ball auf Alario ab, der spielte weiter zu Bailey. Bailey machte eine Körpertäuschung, die Gulde in die andere Ecke schickte und Kübler rutschte aus. Der Leverkusener Außenstürmer erkannte die Situation, lief durch und zog ab. Für Müller war der Abschluss zu scharf geschossen. (70. Minute)
Kübler war nicht der erste Spieler, der auf dem Rasen Probleme hatte. Irgendwie schien der Untergrund etwas „seifig“ zu sein.

Fünf Minuten später reagierte Streich mit einer Umstellung und einem Dreierwechsel. Haberer, Sallai und Schlotterbeck kamen für Kübler, Grifo und Höler. Schmid rückte auf die Flügelverteidigerposition und Haberer ging ins Mittelfeld. Freiburg verteidigte in einem 5-3-2. Die äußeren Mittelfeldspieler Santamaria (rechts) und Haberer (links) schoben auf die Außenverteidiger durch. Demirovic und Sallai liefen seitlich an und versuchten den Ball auf die Außen zu lenken. Die Dreierkette war wichtig, um die beiden Stürmer Alario und Schick in Überzahl zu verteidigen.

Und tatsächlich bekam der Sportclub das Spiel danach halbwegs beruhigt. Schick versuchte sich mal mit einem Dribbling und hatte einige unsaubere Kopfbälle unter Bedrängnis. Es gab aber keine deutliche Chance mehr. Leverkusen verspielte es aber eher in der ersten Halbzeit, in der sie doch sehr viele Abschlüsse hatten. Freiburg hätte den Matchplan schon sehr anpassen müssen, um auf einen Rückstand reagieren zu können.
Andererseits hat Leverkusen in 90 Minuten von 22 Schüssen nur 5 auf das Tor gebracht mit einem xG-Wert von 1,16. Freiburg hat bei 6 Schüssen drei auf das Tor gebracht und damit 1,48 xG. Es war nicht so, dass man sagen könnte, der SC wäre das bessere Team gewesen, aber die drei Punkte sind nicht so sehr auf das Abschlussglück zurückzuführen wie die gegen Dortmund. Das waren schon zwei sehr klare, vertikal herausgespielte Angriffe nach Balleroberung, während Leverkusen immer auf eine sortierte Verteidigung traf, die im Rückspiel keine Geschenke verteilte.

5. Lienhart

Philipp Lienhart ist aufgrund von Schwindelgefühl ausgewechselt worden, was wahrscheinlich mit einem Treffer am Kopf zu tun hatte. Es müsste bereits das dritte Mal in zwei Jahren gewesen sein und einmal führte eine Gehirnerschütterung zu einem langen Ausfall. Es bleibt nur zu hoffen, dass er kurz- und langfristig keine Schäden davonträgt.

Max-Jacob Ost vom Rasenfunk sammelt gerade auf Twitter Vorfälle mit Kopfverletzungen in der Bundesliga, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

6. Die Frage nach Europa

Ich greife dem lieben Julian wahrscheinlich etwas vor und wir werden uns heute Abend zu viert sicherlich darüber unterhalten. Ich denke, es zeichnen sich so langsam Szenarien ab, in denen Streich nächste Saison sein neuntes und zehntes internationales Spiel absolvieren könnte. Wichtig für alle dieser Szenarien ist, das weder Gladbach, noch Union, noch Stuttgart, noch Hoffenheim eine richtige Siegesserie startet und ein Team aus den ersten sechs Plätzen den Pokal gewinnt.

Wichtig ist auch, dass sich die Dynamik dieser Bundesligasaison weiter fortsetzt. Der qualitative Abstand zwischen Tabellenkeller und Tabellenmittelfeld ist so groß wie schon lange nicht mehr – und das liegt nur zum Teil an der individuellen Klasse. Sollten Augsburg und Köln noch lernen wie man Tore schießt, Schalke, Bielefeld und Hertha besser verteidigen und Mainz ihren Lauf fortsetzen, ist das Restprogramm des Sportclubs doch nicht mehr ganz so leicht, wie es aktuell aussieht. Sollten diese Teams allerdings in einer ähnlichen Form sein wie in der Hinrunde, dann kann Freiburg noch einige Punkte holen. Man hat gar nicht das Gefühl, dass Freiburg aktuell so „gut drauf“ ist, aber im Vergleich zur ersten Hälfte der Saison ist man bereits vier Punkte voraus, weil man gegen Stuttgart, Wolfsburg, Union, Dortmund, Leverkusen und Bremen tatsächlich 10 Punkte geholt hat. Und davor gab es ein 2:2 gegen Frankfurt.

Sollte Freiburg ab jetzt die Ergebnisse der Hinrunde erspielen, hätte man am Ende der Saison 52 Punkte. Das wäre Streichs Rekord und würde wahrscheinlich für Platz 7 reichen. Und in diesem Szenario holt man aus den nächsten vier Spielen gegen Leipzig, Mainz, Augsburg und Gladbach nur zwei Punkte.

 

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