Bayer 04 Leverkusen – SC Freiburg 1 : 1

Ich fasse mich etwas kürzer, da ich heute Abend noch zu Gast beim Spodcast (Podcast zum SC Freiburg) bin und dort ohnehin länger über das Spiel gesprochen wird.

1. Aufstellung und taktische Herangehensweise

Vorneweg: Es gibt keine Replay-Option bei Sky und heute fällt mir das auf die Füße, da mir eine taktische Veränderung erst spät aufgefallen ist. Wann sie stattgefunden hat, kann ich also nicht mit Bestimmtheit sagen.

Wenn ich es richtig wahrgenommen habe, begann der Sportclub gegen den Ball im 3-4-1-2.

  Petersen   Borrello  
    Höler    
Günter Höfler   Haberer Schmid
  Heintz Koch Lienhart  
    Flekken    

 

Dass Höler als zentraler Stürmer etwas tiefer als Petersen und Borrello spielte, lag daran, dass Streich die Unterzahl im Mittelfeld gegen Leverkusens 4-3-3 ausgleichen wollte. Höler deckte den Sechser. Petersen und Borrello liefen zunächst die Innenverteidiger an, verschoben aber sehr stark. Sie liefen dann ballorientiert zu den Außenverteidigern durch und halfen auch bei der Flügelverteidigung. Dieses Beispiel zeigt recht gut, wie laufintensiv Freiburg das Spiel gegen den Ball anging. Freiburg ging im Pressing recht früh auf jeden Gegenspieler, drängte Leverkusen zu Rückpässen und lief dann auch den Torhüter an, um lange Bälle zu erzwingen. Das konnte Leverkusen aber auch häufiger überspielen. Dann musste der Sportclub die Lücken wieder zulaufen, in die Formation kommen und es ging wieder von vorne los.

Im Laufe der ersten Halbzeit (hier kann ich keinen Zeitpunkt nennen) rückte Koch dauerhaft aus der Innenverteidigung ins Mittelfeld. Es entstand eine Raute. Koch als Sechser, Höfler und Haberer als Achter davor und Höler als Zehner. Petersen und Borrello blieben allerdings in ihren Rollen, ballorientiert bis zu den Außenverteidigern zu verschieben. Das Zentrum zu verstärken, war auch keine schlechte Idee. Leverkusen hatte viele Distanzschüsse zentral vor dem Sechzehner und die vielen Flanken konnte man auch so verteidigen.

In der zweiten Halbzeit rückte Koch allerdings wieder zurück in die Innenverteidigung und das funktionierte auch besser. Er musste Lienhart und Schmid unterstützen, die einige Probleme mit ihrem Gegenspieler Diaby hatten. Zusätzlich waren so die Positionierungen im Spiel mit dem Ball klarer und Freiburg hatte etwas mehr Ruhe in eigenem Ballbesitz.

2. Spielverlauf

Die ersten zehn bis fünfzehn Minuten waren aus Freiburger Sicht in Ordnung. Flekken rutschte beim Abstoß weg und verursachte mit einer zweiten Ballberührung einen indirekten Freistoß aus neun Metern, der an die Latte ging. Aber im Gegenzug erzielte man auch gleich das Führungstor. Die Eckballvariante sah einstudiert aus: Alle großen Kopfballspieler Lienhart, Koch, Petersen und Haberer rannten bei der Ausführung zum kurzen Pfosten und zogen die Verteidiger mit sich. Zentral/ am langen Pfosten blieben Höler und Arranguiz alleine und genau dort spielte Günter die Ecke hin. Der Freiburger Stürmer konnte sich gut lösen und traf dann zum 1:0.

Auch die fünf bis zehn Minuten danach sahen okay aus. Freiburg ließ sich ein wenig einschnüren, konnte größere Abschlüsse des Gegners allerdings verhindern. Doch der Druck Leverkusens wurde immer größer. Freiburg kam kaum noch in die gegnerische Hälfte. Nach 45 Minuten hatte man nur 21% Ballbesitz und eine Passquote von 59%. Andererseits hatte Leverkusen noch Probleme klare Chancen herauszuarbeiten. Es gab eine Kombination über Demirbay und Amiri, nach der Diaby frei vor Flekken stand, ansonsten war es ein Flanken-, Ecken- und Distanzschussfestival. Vielleicht noch ein paar Abschlüsse von Bellarabi aus ungünstigem Winkel.

In der zweiten Halbzeit hatte der Sportclub dann etwas häufiger den Ball (35% Ballbesitz) und konnte so manchmal für Entlastung sorgen. Andererseits bekam Leverkusen etwas mehr Platz bei eigenen Angriffen und Diaby spielte seine Schnelligkeit aus. Lienhart und Schmid sahen die gelbe Karte, weil sie ihn stoppen mussten. In einer Situation danach war Lienhart so klug von Diaby abzulassen, um nicht vom Platz gestellt zu werden. Daraus resultierte aber nur ein weiterer Distanzschuss.

Auch wenn das Spiel in der zweiten Halbzeit etwas offener wurde und Höler sogar einmal frei vor Hrádecký auftauchte, kam Leverkusen immer noch zu den klar besseren Chancen.

3. SC Freiburg: Könige des Blockens

Am Samstagnachmittag trafen zwei Extremfälle aufeinander. Bayer Leverkusen unter Bosz ist bekannt dafür, Abschlüsse aus ungünstigen Positionen zu nehmen und sehr scharfe – also schwer verwertbare – Flanken in den Strafraum zu spielen. So kommen viele Abschlüsse zustande, aber nur wenige davon führen zu Toren.
Auf der anderen Seite lässt Freiburg diese Saison enorm viele Schüsse zu. Um nicht ausgespielt zu werden, ziehen sich Freiburger Verteidiger eher zurück und versuchen den Strafraum zuzustellen und den Querpass auf die Stürmer zu verhindern. Das hat auch mit dem Vertrauen zu den guten Torhütern Schwolow und Flekken zu tun. Der große Vorteil ist, dass man immer sehr viele Spieler zwischen Ball und Tor hat und kaum freie Torschüsse zulässt. Voraussetzung ist allerdings auch ein sehr diszipliniertes Rücklaufverhalten. Exemplarisch ist die Szene, in der Flekken sich den Ball abnehmen lässt. Nur ein paar Momente später waren drei, vier Freiburger im eigenen Strafraum und Höfler konnte gemeinsam mit Koch einen Schuss von Bellarabi aus einem Meter blocken.

Das Aufeinandertreffen dieser beiden Spielweisen führte zu 27 Schüssen von Leverkusen. 11 davon wurden geblockt und wiederum 8 geblockte Schüsse waren innerhalb des Strafraums. Weitere 8 Schüsse konnte Flekken parieren.
Es gab vier Situationen, in denen sich Leverkusen richtig frei spielen konnte:

28. Minute: Kombination über Demirbay und Amiri. Diaby scheitert an Flekken.
50. Minute: Flanke Bellarabi, Volland erwischt den Ball nicht richtig, Flekken kann parieren.
68. Minute: Diaby bricht durch, umkurvt Flekken, rutscht weg und schießt im Liegen unter Druck am Tor vorbei.
87. Minute: Fehler Flekken, Diaby spielt einen Querpass, Bellarabi wird geblockt.

Aus diesen vier Situationen fällt normalerweise ein Tor. Aber auch bei ihnen wird deutlich, dass zumindest in den letzten beiden Situationen Freiburger Spieler weitergespielt haben, obwohl es recht ausweglos erschien und so doch noch ein Tor noch verhindern konnten. In den anderen zahlreichen kritischen Situationen waren noch deutlich mehr Freiburger hinter dem Ball und konnten vieles blocken.

Wenn aus 3,97 Leverkusener expected Goals nur ein Tor entstand, war es also beides: Glück, aber auch ein wenig Spielanlage des eigenen und gegnerischen Teams.

 

 

 

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