1. FC Köln – SC Freiburg 1 : 4


1. Aufstellung und System

Nach einem frustrierendem 3:0 gegen die Hertha nur vier Tage vor dem Spiel gegen Köln änderte Streich System und Personal. Er setzte auf das 4-4-2 und brachte mit Demirovic und Petersen ein Sturmduo, das noch nie gemeinsam von Beginn an gespielt hatte. Heintz war wohl für die Viererkette geplant gewesen, fiel dann allerdings aufgrund von Rückenproblemen aus. Keitel für Santamaria und Kübler für Schmid stellten die letzten beiden kleineren Überraschungen dar. Und Flekken kam nach langer Verletzungspause (und ein paar Einsätzen bei der zweiten Mannschaft) wieder zum Einsatz.

  Petersen   Demirovic  
Grifo Höfler   Keitel Sallai
Günter Gulde   Lienhart Kübler
    Flekken    

 

2. Herangehensweise und Anfangsphase

Köln spielte im 4-1-4-1, zog im Spielaufbau aber Skhiri zwischen die Innenverteidiger zurück. So musste Freiburg in der ersten Linie in einer zwei-gegen-drei-Unterzahl pressen. Sallai und Grifo rückten nicht so häufig mit auf. Allerdings verschoben Petersen und Demirovic schnell genug, beziehungsweise schaffte es Köln nicht, denn Ball noch schneller zu verlagern, um regelmäßig durchzubrechen. Sie kamen selten flach ins Mittelfeld, sondern spielten häufig den langen Ball auf Andersson. Das war vielleicht auch der Plan. Da der SC allerdings nicht mit so vielen Spielern herausrückte, hatte man genug Spieler im Zentrum, um die zweiten Bälle zu erobern.

Auf der anderen Seite presste Köln ab der Mittellinie im recht festen 4-1-4-1. Nur selten wurde der Stürmer von einem zweiten Spieler unterstützt. Der SC konnte also recht ruhig das Spiel aufbauen. Dafür war das Zentrum wirklich gut zugestellt.

Folgerichtig entwickelte sich eine ereignisarme Anfangsphase. Ein langer Einwurf von Köln, ein Dribbling von Günter mit Flanke auf Lienhart (zweiter Ball nach einem Standard) und ein Dribbling von Duda mit Foul von Keitel und anschließendem Freistoß aus guter Position war alles, was in den ersten 17 Minuten passiert ist. Die Ereignisse in den Minuten 18 und 20 hatten sich also nicht wirklich angekündigt.

3. Zwei Tore in zwei Minuten

Der Ausgangspunkt war eine geklärte Flanke von Kübler. Skhiri kontrollierte den Ball im Strafraum und spielte einen zu kurzen Rückpass auf Bornauw, den Grifo abfangen konnte. Bornauw „spitzelte“ den Ball von Grifo weg, allerdings genau vor Petersens Füße. Der Freiburger Stürmer zog dann direkt mit seinem linken Fuß ab und traf zum 1:0.

Und nur zwei Minuten später schoss der Sportclub schon das zweite Tor. Dieses wurde allerdings nicht von Köln aufgelegt, sondern schön herausgespielt. Höfler dribbelte sich im Zentrum frei und spielte Petersen auf dem rechten Flügel an. Sallai zog nach innen und bekam den Ball von Petersen (schöne Rochade zwischen rechten Flügel (Sallai) und Stürmer (Petersen)). Sallai kam an die Grundlinie flankte nach innen, der Ball rutschte an den zweiten Pfosten zu Grifo durch, der zurück auf Demirovic spielte. Demirovic musste den Ball nur noch ins Tor abfälschen. Bornauw schaffte es zwar fast, Sallais Flanke zu verhindern, aber ansonsten hatte der „Effzeh“ keinen Zugriff während dieses schnell gespielten Angriffs.

Der Spielverlauf erinnerte durchaus an den gegen die Hertha vom Donnerstag. Ein chancenarmes Spiel wird plötzlich von zwei Toren unterbrochen, von denen das erste ein „Geschenk“ ist und das zweite gut gemacht wurde.

4. Die zweite Halbzeit

In der ersten Halbzeit setzte sich das Geschehen fast so fort wie vor den Toren. Es passierte nicht viel. Hector kam mal in den Strafraum, nachdem Andersson einen Ball gut verlängerte und Sallai scheiterte an dem konsequent herauskommenden Timo Horn nach einem Sensationspass von Grifo.

Nach der Pause kam Köln allerdings zurück ins Spiel. Und man kann es nicht anders sagen: Das hatte durchaus mit Nachlässigkeiten auf Freiburger Seite zu tun. Das Rückzugsverhalten der vordersten Pressingspieler, nachdem sie überspielt wurden, war für Freiburger Verhältnisse erstaunlich behäbig. Das kann man auch am 2:1 sehen. Zwar waren genug Spieler hinter dem Ball, um die Flanke zu verteidigen, aber normalerweise macht ein zurückfallender Stürmer Druck auf den ballführenden Spieler im Mittelfeld, der in diesem Fall aber sehr locker auf Jakobs herausspielen konnte.

Streich sah das wohl ähnlich und brachte 10 Minuten später Schmid und Höler für Sallai und Demirovic. Auch die verhältnismäßig frühen Wechsel Nummer 3 und 4 sind wohl so zu interpretieren. Es kamen Santamaria und Haberer für Petersen und Keitel.

5. Was widerlegen die Bilder?

Neben Kölns Aufschwung in der zweiten Halbzeit ist auch der Schiedsrichter Teil der Geschichte dieses Spiels. Marco Fritz‘ erster großer Auftritt war in der 58. Minute. Jakobs drang in den Strafraum ein, wurde von Kübler gekreuzt, flog hin und Fritz pfiff Strafstoß. Auf den Bildern ist es gar nicht so leicht zu erkennen, ob Jakobs Knie wirklich von Küblers Knie gestreichelt wurde oder doch noch etwas Luft zwischen den tief liegenden Körperteilen war. Der VAR holte Fritz an den Monitor. Hier stellt sich aber nicht die Frage, ob eine Berührung zu erkennen ist, sondern ob die Bilder widerlegen, dass Jakobs durch Kübler zu Fall gekommen ist. Das konnte Fritz nicht erkennen und blieb bei seiner ursprünglichen Entscheidung. Duda rutschte bei der Ausführung des Strafstoßes allerdings aus, schoss sich mit dem rechten Fuß an den linken Fuß und so ging der Ball über das Tor.

[Einschub: Freiburg hätte in der 90. Minute alles klarmachen können, aber Höfler scheiterte bei einem recht freien Schuss im Strafraum an Horn.]

Die zweite umstrittene Szene ereignete sich in der 91. Minute. Hector legte einen langen Ball ab und Thielmann erzielte mit einem direkten Distanzschuss das vermeintliche 2:2. Fritz pfiff sofort Handspiel von Hector. Die Frage war dieses Mal, ob es die Schulter oder der Arm Hectors war. Und wieder musste sich der VAR (gemeinsam mit Fritz) nicht die Frage stellen, ob die Bilder ein Handspiel zeigen, sondern ob die Bilder ein Handspiel klar widerlegen. Der VAR schien sich seiner Sache da recht sicher zu sein und holte Fritz nicht einmal an den Monitor.

Der DFB bleibt bisher weiterhin bei dem Urteil vom VAR und Fritz und auch Collinas Erben verteidigen die Entscheidung. Für meinen subjektiven Eindruck ist der Ball allerdings doch recht klar an der Schulter – sogar so klar, dass ich von einem klaren und offensichtlichen Fehler bei der Entscheidung von Fritz sprechen würde, aber genau das bleibt wohl umstritten. An dieser Stelle muss man wahrscheinlich Alex Feuerherdt von Collinas Erben (und jetzt auch Sky!) zitieren: „Was klar und offensichtlich ist, ist nicht immer klar und offensichtlich.“
Spoilerwarnung für den „Spodcast“: Julian scheint auch eher auf der Seite Fehlentscheidung zu sein, Patrick eher bei Marco Fritz. Auch hier ist es wohl umstritten.

6. Ein 4:1 im Gewand eines 2:2

Das 2:2 hätte durchaus zum Spielverlauf gepasst. Nach dem aberkannten Ausgleichstreffer durfte man stattdessen noch sehen, was passiert, wenn Grifo etwas Platz bekommt. Das 3:1 leitete er mit einem Steilpass auf Höler ein, lief mit durch und erzielte das Tor dann auch selber. Beim 4:1 spielte er einen wunderschönen Diagonalball in den Lauf von Schmid.

7. Einzelspieler

Kübler hatte eine interessante Anfangsphase. Zunächst verlor er zweimal recht einfach den Ball und ließ sich einmal tunneln. Kurz darauf fing er dann aber einen Ball sehr schön ab und hatte einen sehr guten öffnenden Pass nach vorne. Im weiteren Spielverlauf pendelte er sich dann auf einer insgesamt unauffälligen, soliden Leistung ein.

Flekken bekam nur wenige Bälle auf das Tor. Aber mit dem Ball am Fuß zeigte er eine sehr gute Leistung. Was die Ballverarbeitung und Passschärfe angeht hat er gegenüber Müller Vorteile.

8. Fazit und Ausblick

Der SC hat aktuell nicht seine beste Phase in der Saison. Im Spiel gegen die Hertha waren es besonders einzelne Szenen, in denen sich einige unklug angestellt hatten und es wurden einige Tempodefizite deutlich. Gegen Köln gab es eine zweite Halbzeit, in der man tatsächlich bei solchen Kategorien wie Rückzugsverhalten schlecht aussah, was untypisch für ein Team von Streich ist. Vielleicht war es aber auch eine Frage der Fitness. Der Wetterumschwung scheint da ja einen Einfluss zu haben.

Unabhängig davon steht Freiburg nun auf dem 9. Platz und ist genau zwei Punkte (und viele Tore) vom 7. Platz entfernt. Mit dem Restprogramm von Freiburg und der Konkurrenz scheint die Qualifikation für Europa sehr unwahrscheinlich. Aber theoretisch ist es noch möglich und die letzten Spieletage einer Saison sind häufig etwas merkwürdig. Die Mischung aus Teams, bei denen es um nichts mehr geht und denen die den Abstieg vor Augen haben, nimmt oft unerwartete Wendungen. Aus Fanperspektive wäre es zumindest schön, wenn es am 34. Spieltag noch um etwas ginge.

 

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