1. Bundesliga: Fazit der einzelnen Mannschaften (Platz 10-18)

Ich kann die These nirgendwo unterbringen, also vorneweg: Die Hinrunde war qualitativ besser als die Rückrunde. Die Schwächephasen von Dortmund, Gladbach, Frankfurt, Berlin usw. trübten ein wenig den Abschluss der doch eigentlich recht schönen Saison.

Hier die kommentierte Tabelle, Plätze 10-18.

10. Fortuna Düsseldorf

44 Punkte, 49:65 Tore (-16), 13 g., 5 u., 16 v.
Fazit: Deutlich besser als letzte Saison.

Am 14. Spieltag stand Düsseldorf auf dem letzten Platz mit neun Punkten. Die Diagnose zu der Zeit war relativ eindeutig: Funkel überrascht dadurch, dass seine Mannschaft nicht nur anstrengenden Außenseiterfußball spielt, sondern sein Team ganz schöne Anlagen im Spielaufbau zeigt. Aber am Ende reicht die Qualität in vielen Mannschaftsteilen (gerade im Sturm) nicht für den Klassenerhalt. Der Konkurrent aus Nürnberg ist da schon deutlich effektiver in den Spielen gegen die Gegner, die sich fast auf Augenhöhe befinden. Dies stellte sich als falsch heraus.
Es folgten vier Siege in Folge und damit der 14. Platz mit sieben Punkten Abstand zum 16. Stuttgart. Düsseldorf entwickelte sich zur beeindruckendsten Umschaltmannschaft der Liga. Die Kombination aus dem spielstarken Stöger und den schnellen Außen Raman und Lukebakio sorgte in allen weiteren Spielen für Torgefahr. Das gut organisierte Mittelfeldpressing brachte die nötige defensive Stabilität. In diesen 20 Spielen entwickelte sich zusätzlich eine gewisse Eigendynamik und Düsseldorf holte noch weitere 33 Punkte (1,65 Punkte/ Spiel). Der Punkteschnitt hätte dieses Jahr für Platz 5 gereicht.
Funkels Düsseldorf ist die Überraschung der Liga.

11. Hertha BSC

43 Punkte, 49:57 Tore (-8), 11 g., 10 u., 11 v.
Fazit: Unverändert zur letzten Saison.

Kurz sah es so aus, als ob Hertha diese Saison den nächsten Schritt machen würde. Der Kader ist reifer geworden und hat sich an einigen Stellen verbessert (Dilrosun, Lazaro, Grujic). In der ersten Saisonphase suchte Hertha deutlich früher den Weg nach vorne. Die langweiligen Querpässe der Innenverteidiger, die den Gegner locken und die Zuschauer einschläfern sollten, waren verschwunden. Stattdessen entwickelte das spielstarke Mittelfeld (Duda, Maier und Grujic) einen starken Offensivdrang. Diese Phase hielt allerdings nicht besonders lange. Zwar lag man am 17. Spieltag noch auf Platz 8, hatte aber schon vorher die Vertikalität der ersten Spiele verloren.
Das wiederkehrende Muster, dass Hertha im Laufe der Saison immer schlechter wird, also erst das Potenzial zeigt und dann nicht ausschöpft, kostete Trainer Dardai diese Saison seinen Job. Auf der einen Seite kann man verstehen, dass manchen die (konstante) Entwicklung (nach oben) fehlt, andererseits ist dieser Schritt auch nicht ohne Risiko. Führt ein Trainer die Mannschaft zuverlässig in die Tabellenregionen, in der man sie nach ihrer individuellen Qualität auch einsortieren würde (Platz 7-12), könnte man ihm das auch positiv auslegen. Die Gefahr in der nächsten Saison mal unter den Minimalerwartungen zu spielen, ist mit der Entlassung wahrscheinlich gestiegen.

Vielleicht bedauere ich aber auch nur den Abgang eines positiven Vorbilds in der Bundesliga. Der souveräne Umgang Dardais mit Schiedsrichterentscheidungen, Niederlagen und seine bescheidene Art nach Siegen war ein Sonderfall. Die leicht fatalistische Einstellung, dass man in einem Spiel eben nicht alles im Griff hat, der Ball mal an den Pfosten mal ins Tor geht, der Schiedsrichter eben auch Fehler macht oder ein Spieler mal eine schlechte Phase hat, ist gerade im Profifußball bemerkenswert und sympathisch.

12. FSV Mainz 05

43 Punkte 46:57 Tore (-11), 12 g., 7 u., 15 v.
Fazit: Deutlich besser als letzte Saison.

An dieser Stelle würde ich gerne die These von Alex Berzel (Neues vonne Pommesbude) vorstellen, der das große Investment in Spieler von Mainz 05 in dieser Saison betont. Das Geld, dass der Verein für Diallo, Serda und Muto erhalten hat, wurde zu einem größeren Teil wieder für neue Spieler ausgegeben, als man es vielleicht gewohnt ist. Deshalb ist der Anspruch Klassenerhalt etwas zu niedrig angesetzt.

(Lieber Alex,
Gegenrede beziehungsweise Korrektur meiner Wiedergabe gerne in die Kommentare oder auf Twitter.
Mit freundlichen Grüßen)

Die Investitionen haben sich auf jeden Fall gelohnt. Die Neuzugänge Mateta, Kunde, Niakathé, Boetius und Aaron spielten allesamt eine wichtige Rolle in der Saison. Bei aller Verbesserung und vorhandener Qualität (Gbamin, Latza usw.) entspricht der Tabellenplatz aber wahrscheinlich dennoch in etwa der (unterschätzten) Kaderstärke. Sandro Schwarz verstand es mit seiner Umstellung auf ein Rautensystem das Potenzial im Mittelfeld zu entfalten. Eine Durststrecke in der Rückrunde mit vielen Spielen ohne Dreier verhinderte ein etwas positiveres Abschneiden.
Mainz ist exemplarisch für einen Aufwärtstrend des Bundesligamittelfelds. Der Kader hat ein paar Highlights, kaum Schwachstellen und wird gut vom Trainer in Szene gesetzt. Eine gewisse Kontinuität in der Spielidee macht die Sache rund.

13. SC Freiburg

36 Punkte, 46:61 Tore (-15), 8 g., 12 u., 14 n.
Fazit: Besser als letzte Saison.

Auch der Kader des Sportclubs wurde in der letzten Sommerpause verstärkt. Mit Gondorf, Sallai, Waldschmidt, Flekken und Heintz konnte man die allgemeine Verbesserung der Konkurrenten halbwegs mitgehen. Die Saison ist dennoch schwer auf den Punkt zu bringen, da sich neben dem Hauptmerkmal Freiburgs (diszipliniertes, gut auf den Gegner abgestimmtes Pressing) kein richtiger Spielstil etablieren konnte. Mal ging man mehr auf das Umschaltspiel, mal versuchte man sich im ruhigeren Aufbauspiel. Die vielen Verletzungen verhinderten zudem eine eingespielte Stammelf. Dennoch waren einige Fortschritte zu erkennen. Im Gegensatz zur letzten Rückrunde konnte man in vielen Spielen einige Abschlüsse aus dem Spiel heraus kreieren, nutzte sie aber seltener. Zusätzlich gelang es dem Trainerteam ein neues System neben dem typischen 4-4-2 zu etablieren, das defensiv wie offensiv interpretiert werden kann. Die Anläufe mit der Dreierkette in den beiden Saisons zuvor waren eher auf das Tore verhindern ausgelegt. Das 3-4-3, auf das zu Saisonbeginn insbesondere bei Rückstand zurückgegriffen wurde (Stuttgart, Cottbus, Bayern, Augsburg, usw.) funktionierte beispielsweise gegen Bremen (Hinrunde) auch über 90 Minuten. Diese Entwicklung bringt mehr Flexibilität bei der Gegneranpassung.

Die Rückrunde verlief dann insgesamt doch eher unglücklich. Dank der schwachen Absteiger in dieser Saison, konnte der Klassenerhalt aber frühzeitig gesichert werden. Jetzt stellt sich die Frage nach potenziellen Abgängen (Grifo, Koch, Haberer, Schwolow, Waldschmidt), möglichen Neuzugängen (Streich will Tempo) aber vor allem, ob man es nach den letzten beiden Saisons schafft, die Verletzungen zu minimieren. Immerhin hat der Kader seit dieser Saison eine gewisse Breite, mit der man Ausfälle besser kompensieren kann.

14. FC Schalke 04

33 Punkte, 37:55 Tore (-18), 8 g., 9 u., 17 v.
Fazit: Deutlich schlechter als letzte Saison.

In den ersten Spielen versuchte Tedesco den Trend der Liga mitzugehen und ebenfalls einen etwas konstruktiveren Ansatz in der Spielweise von Schalke einzustudieren. Nach ein paar Niederlagen zu Saisonbeginn stellte er aber wieder auf das bewährte System zurück. Das funktionierte nun allerdings auch nicht mehr. Seine stabile Fünferkette war auch schon in der letzten Spielzeit darauf angewiesen, irgendwie das Führungstor zu schießen und die Partie dann „wegzuverteidigen“. Mit der verlorenen Standardstärke, den Abgängen von Goretzka und Mayer, und ein paar Formschwächen im Sturm blieb das 1:0 aber zu häufig aus. Die Doppelbelastung trifft zudem insbesondere die Teams sehr hart, die durch ihre Herangehensweise größtenteils sehr knappe Spiele produzieren und dann im entscheidenden Moment eine Nuance besser agieren als der Gegner, also Schalke. Mit der Zeit wurde dann auch deutlich, dass der Kader vielleicht etwas überschätzt wurde. McKenney, Caligiuri, Embolo und Rudy sind in so einem Jahr auch nicht viel besser als Kunde, Gbamin, Mateta und Boetius. Kommen Verletzungssorgen hinzu, entstehen eben größere Probleme.
Die Entwicklung in der nächsten Saison wird spannend. Mit den aktuellen Schwächen im Kader gibt es zumindest die Möglichkeit wieder einige Talente aus der viel gerühmten „Knappenschmiede“ einzusetzen. Der aktuelle Berliner Weg – durchschnittlicher Fußball mit vielen jungen Spielern – ist möglich, wird im Umfeld aber vielleicht nicht ganz den Erwartungen entsprechen.

15. FC Augsburg

32 Punkte, 51:71 Tore (-20), 8 g., 8 u., 18 v.
Fazit: Deutlich schlechter als letzte Saison.

Max, Gregoritsch, Finnbogason, Richter und Khedira sind Spieler, die der FC Augsburg vor ein paar Jahren wahrscheinlich nicht hätte halten können. Dass sie es dieses Jahr geschafft haben, ist bemerkenswert. Eine fast unveränderte Mannschaft mit klarem Spielsystem und gleichem Trainer ist nicht die schlechteste Mischung für eine Saison – die ja auch sehr erfolgreich begann. Auf Platz 8 (7. Spieltag) fuhr Augsburg zum Tabellenführer aus Dortmund und war somit Teil eines der besten Spiele der Hinrunde. Danach ging es aber bergab. Erst kamen schlechte Ergebnisse (auch durch unglückliche Torwartfehler), dann passten sich die Leistungen an. Am Ende der Hinrunde drangen sogar einige Schwierigkeiten zwischen Mannschaft und Trainer nach außen. Mehr schlecht als recht und mit einem Trainerwechsel hielten die sogenannten „Fuggerstädter“ die Klasse und können in die nächste Saison blicken. Besonderes kann man sich von einer Martin Schmidt Mannschaft allerdings auch nicht erwarten. 4-2-3-1, einfache, klare Abläufe und intensives Mittelfeldpressing sorgen wahrscheinlich für ein gutes Grundniveau, aber nicht viel mehr.

16. VfB Stuttgart

28 Punkte, 32:70 Tore (-38), 7 g., 7 u., 20 v.
Fazit: Deutlich schlechter als letzte Saison.

Zum Ende der Tabelle hin wird es immer schwieriger etwas zu analysieren. Der VfB war auf so vielen Ebenen enttäuschend, dass sich keine richtige Erklärung finden lässt. Sicherlich zeigte sich, der Kader war doch nicht so gut, wie man es vor der Saison erwartet hatte. Wenn man hört, dass Pavard, Kabak und Kempf Pässe auf Beck, Gentner und Esswein spielen müssen, kann man sich zwar in etwa vorstellen, wo das Spiel Probleme bekommen könnte, aber die 70 Gegentore sind damit immer noch nicht erklärt. Zudem sind Castro und Didavi ja auch Teil des Kaders.

Die Fans würde die Saison wohl am liebsten vergessen. Allerdings entscheidet sich ja erst in den nächsten Tagen, welches Ausmaß die Enttäuschung haben wird.

17. Hannover 96

21 Punkte, 31:71 Tore (-40), 5 g., 6 u., 23 v.
Fazit: Deutlich schlechter als letzte Saison.

Hannover gehört auch zu den Mannschaften, die letztes Jahr schon kein besonderes Rezept hatten, wie man sich konstruktiv Chancen herausspielt und es dieses Jahr verpasst haben, dies zu erarbeiten. Das Spiegeln der Formationen der Gegner, das Breitenreiter praktiziert hatte, funktionierte schon in der letzten Rückrunde nicht mehr besonders gut. Fallen dann auch noch die schnellsten Spieler aus, wird es eben schwer. Doll, dessen Strategien in der Außendarstellung im modernen Fußball etwas aus dem Rahmen fallen, schaffte es die Mannschaft zumindest in der Defensive zu stabilisieren. So sah es trotz der sehr schlechten Spielzeit dieser offensiv einfallslosen Mannschaft nie danach aus, dass sich das Team aufgeben würde.
Dem „kleinen HSV“ steht ein großer Umbruch bevor. Noch ohne Sportdirektor ist die Kaderplanung für die 2. Bundesliga wahrscheinlich nicht leicht.

18. 1. FC Nürnberg

19 Punkte, 26:68 Tore (-42), 3 g., 10 u., 21 v.
Fazit: Deutlich schlechter als letzte Saison.

Hier muss man wohl sagen: der Mannschaft fehlte die Qualität, um in der Liga zu bleiben. Dennoch hätte es durch die schwache Konkurrenz fast funktioniert. Im Spiel gegen Stuttgart waren sie das bessere Team und gegen Bayern hätten sie mit einem verwandelten Elfmeter gewinnen können. Da es nun aber am Ende doch 9 Punkte Abstand zum Relegationsplatz sind, muss man diesen Konjunktiven nicht mehr so sehr nachhängen. Immerhin gab es die Highlights gegen Dortmund und Bayern zu punkten, an die man sich dann in der 2. Liga erinnern kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.