1. Bundesliga: Fazit der einzelnen Mannschaften (Platz 1-9)

Vorneweg:

Die Bundesligasaison 2018/19 stellte in den einzelnen Spielen gerade in der Offensive eine klare Verbesserung zur Saison 2017/18 dar. Sie ist mit 973 Toren auch die torreichste Saison in diesem Jahrhundert. Da die Bundesliga aber ein Wettbewerb ist, in jedem Spiel höchstens drei Punkte und insgesamt nur 18 Plätze zu vergeben sind, kann sich diese Verbesserung nicht unmittelbar in der Punkteverteilung und den Platzierungen bemerkbar machen. So kommt es im Folgenden also auch vor, dass in den kurzen Kommentaren ein sehr positives Fazit einzelner Mannschaften trotz schlechterer Platzierung gezogen wird.

Die Kommentare sind kurz und betonen nur einzelne Aspekte.

1. FC Bayern München

78 Punkte, 88:32 Tore (+56), 24 g., 6 u., 4 v.
Fazit: Schlechter als letzte Saison.

Der FC Bayern konnte den kontinuierlichen Abwärtstrend seit dem Abgang Pep Guardiolas auch in dieser Saison nicht aufhalten. Ein recht kleiner Kader machte sie anfällig für kurze Schwächephasen durch Verletzungen, obwohl Ausfälle von Lewandowski, Alaba und Kimmich, für die es keinen adäquaten Ersatz gegeben hätte, größtenteils ausblieben. Offensiv spielten sich Gnabry und Coman als neue Flügelzange fest, die einige Spiele durch ihre individuelle Qualität entscheiden konnte und damit ein fehlendes Offensivkonzept kaschierte. Kovac, der trotz der Meisterschaft in der Kritik steht, schaffte es in der Rückrunde immerhin für bessere defensive Stabilität zu sorgen. Das war auch nötig, da Bayerns Defensivverhalten in der Hinrunde einige Fragezeichen hinterließ. Individuelle Vorstöße aus der Formation, ohne diszipliniertes Rückzugverhalten hinterließen häufig Lücken im 4-4-2. Auch schien man sich nicht so richtig auf die Stärken der Gegner vorzubereiten und konnte sich dann häufig auch im Spiel nicht mehr schnell genug anpassen (Bsp. Freiburgs Umstellung auf die Dreierkette, Lukebakio, Plea, usw.)

Der FC Bayern erreichte dann mit den letzten 14 Spielen ohne Niederlage aber doch noch den ersten Platz. Von der Saison bleibt allerdings vor allem im Kopf, dass man den Rekordmeister in einem einzelnen Spiel schlagen kann, selbst wenn er mit einem oder zwei Toren führt.

2. Borussia Dortmund

76 Punkte, 81:44 Tore (+37), 23 g., 7 u., 4 v.
Fazit: Deutlich besser als letzte Saison.

Die Saison mit Bosz und Stöger scheint unglaublich lange her zu sein. Im Vergleich dazu war der BVB nicht wiederzuerkennen und sammelte insgesamt 21 Punkte mehr als in der Vorsaison. Es fehlte nicht viel, um Meister zu werden. Dass man in der Rückrunde nicht mehr so überzeugend auftreten konnte wie in der Hinrunde, hat verschiedene Gründe. Sicherlich sind die Verletzungen in der Viererkette und die nachlassende Form der geplanten Außenverteidiger ein wesentlicher Punkt. Auch weil hier Favre die Möglichkeit genommen wurde, das System gegebenenfalls abzuändern. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass der BVB in der Hinrunde regelmäßig erst in den Schlussminuten das entscheidende Tor erzielte und damit einige glückliche Punkte sammelte. Die Diskrepanz von acht Punkten in den beiden Saisonhälften ist deutlich.

Kann Dortmund den Kader bis nächste Saison halbwegs zusammenhalten, ist das eine sehr spannende Mannschaft. Mit Götze, Reus und Sancho ist offensiv eine herrliche Kombinationsmaschine am Werk. Witsel und Delaney sind vielleicht nicht dauerhaft das Weltklasse-Duo aus der Hinrunde, aber immer noch sehr gut. Mit Akanji, Diallo und Zagadou gibt es zudem drei junge Innenverteidiger, die jetzt schon tolle physische Fähigkeiten haben und ein sehr gutes Aufbauspiel aufziehen können. Mit Schulz scheint man eine Schwäche zu beseitigen. Der Mannschaft fehlt nicht viel.

3. RB Leipzig

66 Punkte, 63:29 Tore (+34), 19g., 9u., 6v.
Fazit: Deutlich besser als letzte Saison.

Das letzte Mal als Ralf Rangnick den Trainerposten bei Rasenballsport Leipzig übernahm, konnte er zwar das Ziel Aufstieg erreichen, ohne aber mit einem im Vergleich individuell sehr stark besetzten Kader zu glänzen. In dieser Saison sah das deutlich besser aus. Mit unterschiedlichen Formationen, aber klarer Strategie konnte er insbesondere die Defensive auf ein hohes Niveau hieven, trotz der vergleichsweise jungen Innenverteidiger Konaté, Upamecano und Orban. Viele Tore wurden weiterhin nach Ballgewinnen erzielt, doch mit Kampl, Forsberg und Haidara gibt es durchaus auch Potenzial für das spielerische Moment.
Nagelsmann findet nächste Saison in Leipzig eine funktionierende Mannschaft vor, die auch in der Breite einiges zu bieten hat. Der dritte Platz bleibt auch nächstes Jahr realistisch. Mit etwas Glück könnte sogar die Meisterschaft eine Rolle spielen.

4. Bayer Leverkusen

58 Punkte, 69:52 Tore (+17), 18 g., 4 u., 12 n.
Fazit: Besser als letzte Saison.

Es hat schon sehr viel Spaß gemacht, die Spiele von Bayer Leverkusen in der Rückrunde anzuschauen. Schon Heiko Herrlich verfolgte einen aggressiven und offensiven Ansatz. Allerdings fielen bei ihm die Mannschaftsteile häufig auseinander. Vier bis fünf Spieler sollten Tore schießen, die anderen absichern. Ein gutes Beispiel dafür wäre die Rolle von Bellarabi gegen Frankfurt in der Hinrunde, der praktisch ständig an der Mittellinie lauerte und Weiser die Defensivarbeit vollständig überließ. Peter Bosz hingegen hält die Abstände der Mannschaftsteile gering. Nach Ballverlust geht es sofort kollektiv ins Gegenpressing, im Aufbau schieben die Innenverteidiger weit in die gegnerische Hälfte. Dies kommt der jungen und technische starken Mannschaft noch besser entgegen. Havertz, Brandt und Aranguiz zeigten einige herausragende Spiele in diesem System.
Mit Demirbay konnte Leverkusen schon den ersten namhaften Neuzugang vermelden. Auch hier wäre es sehr interessant zu sehen, was passiert, könnte die Mannschaft zu weiten Teilen noch eine Saison länger zusammenbleiben. Dann bliebe nur noch die Frage, ob die Mannschaft den enormen läuferischen Aufwand auch über eine ganze Spielzeit mit Pokal und Champions League durchhalten kann.

5. Borussia Mönchengladbach

55 Punkte, 55:42 Tore (+13), 16 g., 7 u., 11 v.
Fazit: Besser als letzte Saison.

Da ist nicht viel zu sagen. Gladbach hat einen ausgeglichenen, halbwegs breiten Kader und musste deutlich weniger Verletzte als in der letzten Saison beklagen. Heckings 4-3-3 funktionierte zunächst wunderbar, stieß dann in der Rückrunde aber an seine Grenzen. Die folgenden Anpassungen konnten das nicht kompensieren. Platz 5 ist dennoch ein mehr als akzeptables Ergebnis für eine Mannschaft, der die herausragenden Spieler im Vergleich zu den anderen Top-Mannschaften fehlen (Ausnahme: Hazard).

6. VfL Wolfsburg

55 Punkte, 62:50 Tore (+12), 16 g., 7 u., 11v.
Fazit: Deutlich besser als letzte Saison.

Die Entwicklung von einem Relegationsteilnehmer zum 6. Platz ist spektakulär. Doch auch das 8:1 im letzten Spiel täuscht nicht darüber hinweg, dass Wolfsburg – ähnlich wie Gladbach – eine gute aber keine begeisternde Saison aus neutraler Sicht spielte. Die sehr breite Spielanlage mit vielen genauen Diagonalbällen war phasenweise sehr gut ausgeführt und nicht leicht zu verteidigen, aber Kombinationen oder schöne Dribblings gab es nur selten zu beobachten. Der 6. Platz mit Trainer Labbadia ist eine große Überraschung.

7. Eintracht Frankfurt

54 Punkte, 60:48 Tore (+12), 15 g., 9 u., 10 n.
Fazit: Besser als letzte Saison.

Auch wenn Eintracht Frankfurt am Ende der Saison in der Tabelle etwas durchgereicht wurde, bleibt sie gemeinsam mit Fortuna Düsseldorf die Überraschung der Saison. Doppelbelastung, ein neuer Trainer, der Abgang von Schlüsselspieler K. P. Boateng und zweifelhafte Neuzugänge innerhalb einer Bundesliga, die zu Beginn große Kontinuität auf den Trainerbänken zeigte und in der sich die meisten Mannschaften während der Transferphase eher verstärkt hatten, sprachen für eine ungemütliche Saison am Main. Hütter installierte aber in kurzer Zeit ein System, in dem die Schlüsselspieler allesamt ihre Stärken perfekt ausspielen konnten. Kostic und Da Costa beackerten die Außenbahnen, Hasebe als Libero, Haller als Wandspieler, Jovic als Abschlussstürmer und Rebic als der Mann für die besonderen Momente. Dass die Power nicht ganz für 50 Pflichtspiele reichte, kann man wohl niemanden vorwerfen. Welcher Kaderplaner hatte den im Hinterkopf, dass es in der Europa League bis ins Halbfinale gehen sollte.
Auch hier bleibt es spannend, wie sich der Kader im Sommer verändern wird und ob die Eintracht das Niveau der letzten beiden Saisons halten kann. Wie letztes Jahr wäre das eine große Überraschung. Einige Rahmenbedingungen scheinen sich verbessert zu haben, aber die Qualifikation der Europa League stört große Teile der Vorbereitung.

8. SV Werder Bremen

53 Punkte, 58:49 (+9), 14 g., 11 u., 9 v.
Fazit: Besser als letzte Saison.

Die gute Rückrunde der letzten Saison unter Kohfeldt, die Neuzugänge Klaassen, Sahin, Osako, Möhwald und Harnik und der Verbleib von Kruse weckten eine gewisse Euphorie an der Weser und man formulierte das ambitionierte Ziel: Europa League!
Dass es dafür nicht ganz gereicht hat, ist bei der Konkurrenz nicht unbeding verwunderlich. Es hätte schon eine perfekte Saison gebraucht, um das Ziel zu erreichen. Kruse, Klassen und ein aufstrebende Rashica sind dann doch noch eine Nummer kleiner als Zakaria, Stindl und Hazard. Trotzdem hat es Spaß gemacht, Spiele mit Bremer Beteiligung zu verfolgen, da Kohfeldt seinem konstruktiven Ansatz treu blieb. Kruses freie Rolle ist auch nicht ganz alltäglich und 30 Minuten Pizarro, sind besser als 0 Minuten Pizarro.
Immerhin war es am Ende die beste Punktausbeute seit 2009/10 unter Thomas Schaaf. Nun bleibt nur die Frage, wie man den Abgang von Kruse kompensieren wird.

9. TSG Hoffenheim

51 Punkte, 70:52 Tore (+18), 13 g., 12 u., 9 v.
Fazit: Deutlich verrückter als letzte Saison.

Was Hoffenheim teilweise an Chancen liegen ließ und wie häufig sie Führungen aus der Hand gegeben haben, ist kaum zu fassen. Vielleicht ist ein Teil davon mit mangelnder individueller Klasse oder zu schnell vorgetragenen Angriffen zu erklären, aber da war auch eine Menge Pech dabei. Mit 27 Pfostentreffern ist die TSG mit Abstand führend in dieser Statistik.
Abgesehen davon hat Nagelsmann wieder gezeigt, dass er viele Spieler besser machen kann. Belfodil, Schulz, Szallai, Demirbay Grillitsch usw. zeigten Leistungen, die man nicht erwarten konnte.
Die Zeit von dem jungen Trainertalent in Hoffenheim geht zu Ende. Er übernahm das Team auf einem Abstiegsplatz, erreichte den Klassenerhalt, belegte den vierten und dritten Platz und brachte Spieler wie Süle, Rudy, Wagner, Uth, Demirbay, Kramaric und Joelinton groß raus. Ich habe die These, dass die TSG in den nächsten Jahre ohne ihn nicht mehr das internationale Geschäft erreichen wird.


Der zweite Teil der kommentierten Tabelle erscheint wahrscheinlich in ein paar Tagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.