Abraham, Grifo und Streich

Im Spiel Freiburg gegen Frankfurt gab es noch eine Szene, die zu schwer erträglichen Diskussionen in den sozialen Medien führte. Eine kurze Beschreibung:
In der Nachspielzeit gab es einen Befreiungsschlag der Freiburger aus dem eigenen Strafraum. Der Ball flog über den halben Platz in die technische Zone des Sportclubs auf Christian Streich zu. Der Frankfurter Kapitän Abraham rannte dem Ball in hohem Tempo hinter. Streich wich dem Ball aus, steckte die Hände in die Hosentasche und stellte sich wieder an seinen ursprünglichen Platz. In der Wiederholung konnte man sehen, dass er zusätzlich etwas sagte, was eigentlich nur Abraham gelten konnte. Der Frankfurter Kapitän verlangsamte sein Tempo nicht, lief auch nicht um Streich herum, sondern gab dem Freiburger Trainer einen Bodycheck. Dieser flog hin, konnte aber sofort wieder aufstehen. Soweit zum ersten Teil der Szene.
Die Reaktion darauf war ein kollektives Aufspringen der Freiburger Bank. Mindestens zehn Freiburger bewegten sich in Richtung Abraham und bedrängten ihn, um es neutral auszudrücken. Beim zweiten Hinsehen wurde deutlich, dass ein Teil der Freiburger tatsächlich auf den Frankfurter losging, Grifo ihm sogar an den Hals und ins Gesicht griff, ein anderer Teil hingegen versuchte, seine Kollegen zurückzuhalten.
Schiedsrichter Brych blieb ruhig, gab Abraham die rote und dem Co-Trainer Bruns die gelbe Karte. Der Video-Assistent machte den Feldschiedsrichter auf das Vergehen von Grifo aufmerksam, der nach dem Review ebenfalls die rote Karte sah. Weiterlesen

SC Freiburg – Eintracht Frankfurt 1 : 0

Das Spiel SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt sorgte für einige Aufregung, die sich auch am Tag danach noch nicht ganz gelegt hat. Grund dafür war ein Rempeln des Frankfurter Kapitäns Abraham gegen den Freiburger Trainer. Dies hier ist nur die Spielanalyse. Eine Einschätzung zum Rempler folgt in Kürze [Nachtrag] und findet sich hier.

1. Die erste Halbzeit

Es wird Herbst im Breisgau. Mehr als die Hälfte der Hinrunde ist gespielt und damit einhergehend macht sich ein gewisser Verschleiß der Spieler bemerkbar. Zwar ist die Liste der Spieler, die wirklich verletzt sind (Abrashi, Kübler, Schwolow und Tempelmann) nicht besonders lang, aber es scheint dennoch einige nicht ganz fitte Spieler zu geben. Waldschmidt und Höfler kamen aus einer Verletzungspause und Streich sagte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, dass unter der Woche einige Spieler pausieren mussten. Durch die Sperre von Haberer (Platzverweis in Bremen) war es also nicht absehbar, wer nun in der Startelf stehen würde und wie insbesondere das Zentrum aussehen sollte. Streich entschied sich dann für eine 4-4-2-Formation mit Koch und Höfler im Mittelfeld. Weiterlesen

SV Werder Bremen – SC Freiburg 2 : 2

Kurz Vorneweg: Ich bin erkältet. Das Gehirn fühlt sich an, wie von einer Schleimschicht umgeben und funktioniert noch schlechter als gewohnt. Genauer gesagt, leidet darunter erstens die Konzentration und zweitens – damit verbunden – die Fähigkeit aufeinander aufbauende Gedankengänge konsistent zu verfolgen. Genau das wäre aber für eine Taktikanalyse des Spiels Werder Bremen gegen den SC Freiburg nötig gewesen. Kohfeldt wechselte häufig die Formation, wodurch sich der Sportclub zumindest beim Anlaufverhalten der ersten Reihe anpassen musste. Eben diese Wechselwirkungen habe ich gerade nicht ganz auf dem Schirm. Das macht aber nichts, denn bei Spielen gegen Bremen gibt es ja immer die Analyse von Tobias Escher bei der Deichstube. Ich konzentriere mich bei diesem Text auf den Sportclub und hoffe, dass dadurch keine groben Lücken entstehen. Weiterlesen

SC Freiburg – RB Leipzig 2 : 1


1. Aufstellung und Herangehensweise

Es war das gewohnte 3-4-3/ 5-2-3 mit der Dreierkette Heintz, Koch und Lienhart. Günter und Schmid spielten auf den Außen, Höler, Waldschmidt und Haberer im Sturm. Im Zentrum durfte Tempelmann das erste Mal neben Höfler auflaufen.

Nagelsmann ließ mal wieder nicht mit seinem Hoffenheimer System spielen, sondern setzte auf das typische RB-System: 4-2-2-2, das mit ihm aber mehr auf Ballbesitz und eben nicht nur den Umschaltmoment ausgelegt ist. Weiterlesen

Vorbericht: 1. FC Union Berlin – SC Freiburg (mit Daniel Roßbach)


Damit man sich als Freiburgfan ein bisschen auf das Spiel am Samstag gegen Union Berlin einstellen kann, habe ich Daniel Roßbach gebeten, drei Fragen zu beantworten:

1. Wie wird Union spielen (Herangehensweise und System)?
2. Was sind aktuellen Probleme/ Stärken?
3. Auf welche drei Spieler sollte man als Fan der gegnerischen Mannschaft ein Auge werfen?


Als Service für Fans des 1. FC Union Berlin beantworte ich im Folgenden ebenfalls die Fragen. Zunächst aber die Antworten von Unioner Seite:

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Das erste Viertel der Saison (Spieltag 1-7)


Der SC Freiburg belegt nach sieben Spielen in der 1. Bundesliga den 4. Platz mit 14 Punkten, hat gemeinsam mit Schalke und Leipzig die zweitwenigsten Gegentore kassiert (Wolfsburg noch weniger) und gemeinsam mit Leipzig und Gladbach die drittmeisten Tore geschossen (Dortmund und Bayern noch mehr). Wenn ich es richtig aufgeschnappt habe, ist das wohl der beste Saisonstart der Vereinsgeschichte (1. Bundesliga). Da drängt sich die Frage auf, wie es dazu kommen konnte. Ich habe mich auf drei Punkte beschränkt, um sich der Sache zumindest anzunähern, die da wären: Einordnung der Leistung, ein balanciertes Spielsystem und eine gesteigerte Qualität und Quantität im Kader. Weiterlesen

Audio: Zu Gast beim Rasenfunk

Ich war zu Gast beim Podcast „Rasenfunk“ von Max-Jakob Ost und Frank Helmschrott.

Ich denke, ihr kennt dieses Format ohnehin schon und ich muss es nicht einführen. Es wird der komplette Spieltag besprochen (Montagsspiel ausgenommen) und deswegen kommt dort sogar regelmäßig der SC Freiburg vor.

Die circa zwei Stunden Gespräch zum 5. Spieltag findet ihr in eurem Podcatcher oder auf der Rasenfunkseite oder auf Youtube.

Viel Spaß.

 

 

SC Freiburg – FC Augsburg 1 : 1

Ich fasse mich etwas kürzer, da ich an diesem Wochenende noch mit einem anderen Projekt zum Fußball beschäftigt bin.

1. Aufstellung und Spielanlage

Etwas überraschend gab es in der Startaufstellung keine personellen Veränderungen im Vergleich zum letzten Spiel. Das bedeutete auch, dass Borrello auf der Tribüne und Sallai, Kwon, Grifo und Waldschmidt auf der Bank Platz nehmen mussten. Auch das System blieb mit dem 3-4-3 zunächst unverändert, wurde aber in Details an den Gegner angepasst. Weiterlesen

TSG 1899 Hoffenheim – SC Freiburg 0 : 3


1. Ein ängstlicher Christian Streich?

In den einschlägigen Diskussionsorten des Internets wurde die Aufstellung, die sich Christian Streich mit seinem Team für das Auswärtsspiel in Sinsheim ausgedacht hatte, nicht wirklich positiv aufgenommen. Waldschmidt, Sallai und Kwon saßen auf der Bank, während Höler und Frantz von Beginn an spielen sollten. Zusätzlich wurde noch ein System mit Dreierkette gewählt, was wohl viele Fans noch an die vorletzte Rückrunde erinnert. „Ängstlichkeit“ und „zu viel Defensive“ gerade bei Auswärtsspielen ist da ein beliebter Vorwurf an den Trainer. Es wäre zu einfach dagegenzusetzen, dass Streich ein mutiger und offensiver Trainer sei, da dies eben auch nicht ganz richtig ist. Das Problem an diesen Aussagen liegt eher in den viel zu groben Kategorien.
Wenn man sich länger mit dem SC Freiburg beschäftigt, bemerkt man schnell, dass Streich ein Trainer ist, der viel an das Spiel gegen den Ball denkt. Dabei wählt er aber sehr häufig einen eher aktiven Ansatz. Die erste Pressinglinie läuft meistens einige Meter in der gegnerischen Hälfte die Innenverteidiger an, die eigenen Abwehrreihe rückt weit auf, um die Räume im Zentrum engzumachen und Abstöße des Gegners werden oft zugestellt. Dafür braucht es Stürmer, die erstens durchgehend viel laufen, zweitens so geschickt anlaufen können, dass in ihrem Rücken der Passweg ins Zentrum geschlossen wird und drittens erkennen, wenn ihre Pressinglinie überspielt ist, um schnell wieder hinter den Ball zu kommen. Das Spiel des Sportclubs wirkt meisten in jenen Spielen besonders defensiv, in denen das Anlaufen nicht funktioniert und die Mannschaft über längere Phasen an den eigenen Strafraum gedrängt wird.
Mit dem Ball ist der Sportclub keine Mannschaft, die im letzten Drittel lange den Ball hält. Längere Ballzirkulationen gibt es meist nur in der Aufbauphase. Im letzten Drittel versucht man schnell in Abschlusspositionen zu kommen, entweder durch Flanken oder durch riskante Pässe an den Strafraum. Bei diesem Ansatz kommt es häufig auf Kleinigkeiten an. Rutscht der Ball drei-, viermal von etwa 15 Versuchen in einer Halbzeit durch, bekommt man als Zuschauer schnell das Gefühl, der Sportclub hätte eine große Durchschlagskraft im letzten Drittel. Funktioniert es zweimal weniger, sieht es schon etwas ideenlos aus. Weiterlesen