TSG 1899 Hoffenheim – SC Freiburg 0 : 3


1. Ein ängstlicher Christian Streich?

In den einschlägigen Diskussionsorten des Internets wurde die Aufstellung, die sich Christian Streich mit seinem Team für das Auswärtsspiel in Sinsheim ausgedacht hatte, nicht wirklich positiv aufgenommen. Waldschmidt, Sallai und Kwon saßen auf der Bank, während Höler und Frantz von Beginn an spielen sollten. Zusätzlich wurde noch ein System mit Dreierkette gewählt, was wohl viele Fans noch an die vorletzte Rückrunde erinnert. „Ängstlichkeit“ und „zu viel Defensive“ gerade bei Auswärtsspielen ist da ein beliebter Vorwurf an den Trainer. Es wäre zu einfach dagegenzusetzen, dass Streich ein mutiger und offensiver Trainer sei, da dies eben auch nicht ganz richtig ist. Das Problem an diesen Aussagen liegt eher in den viel zu groben Kategorien.
Wenn man sich länger mit dem SC Freiburg beschäftigt, bemerkt man schnell, dass Streich ein Trainer ist, der viel an das Spiel gegen den Ball denkt. Dabei wählt er aber sehr häufig einen eher aktiven Ansatz. Die erste Pressinglinie läuft meistens einige Meter in der gegnerischen Hälfte die Innenverteidiger an, die eigenen Abwehrreihe rückt weit auf, um die Räume im Zentrum engzumachen und Abstöße des Gegners werden oft zugestellt. Dafür braucht es Stürmer, die erstens durchgehend viel laufen, zweitens so geschickt anlaufen können, dass in ihrem Rücken der Passweg ins Zentrum geschlossen wird und drittens erkennen, wenn ihre Pressinglinie überspielt ist, um schnell wieder hinter den Ball zu kommen. Das Spiel des Sportclubs wirkt meisten in jenen Spielen besonders defensiv, in denen das Anlaufen nicht funktioniert und die Mannschaft über längere Phasen an den eigenen Strafraum gedrängt wird.
Mit dem Ball ist der Sportclub keine Mannschaft, die im letzten Drittel lange den Ball hält. Längere Ballzirkulationen gibt es meist nur in der Aufbauphase. Im letzten Drittel versucht man schnell in Abschlusspositionen zu kommen, entweder durch Flanken oder durch riskante Pässe an den Strafraum. Bei diesem Ansatz kommt es häufig auf Kleinigkeiten an. Rutscht der Ball drei-, viermal von etwa 15 Versuchen in einer Halbzeit durch, bekommt man als Zuschauer schnell das Gefühl, der Sportclub hätte eine große Durchschlagskraft im letzten Drittel. Funktioniert es zweimal weniger, sieht es schon etwas ideenlos aus. Weiterlesen

Audio: Mit NvP in München

Zur Länderspielpause habe ich mich mit dem Moderator und dem Dauergast des Podcasts Neues vonne Pommesbude getroffen und eine Folge aufgenommen. Es geht um das DFB-Team, den Start der Bundesliga allgemein und selbstverständlich auch um den SC Freiburg.

Hier geht es zur Folge.

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SC Paderborn 07 – SC Freiburg 1 : 3


1. Die Aufgabe

Der SC Paderborn unter Steffen Baumgart gehörte schon letztes Jahr zu den spannendsten Mannschaften in Deutschland. Der Kader wurde zumeist mit sehr unbekannten Spielern aus der dritten und vierten Liga zusammengestellt und dennoch ist der Ansatz auf dem Platz mutig und offensiv. Gegen den Ball verbreitet Paderborn wahnsinnigen Stress durch aggressive Zweikämpfe gegen den Ballführenden Spieler. Wird der Ball erobert, kommt direkt ein Steilpass auf sehr schnelle Stürmer hinter die Kette. Der Spielstil erinnert an RB Leipzig, wird aber weniger sauber ausgeführt, sondern ist vor allem auf Aktivität aus. Pressing, Steilpass, Gegenpressing bei Ballverlust, Steilpass, immer schnell den Abschluss suchen usw. Für den Gegner bedeutet das andauernden Druck, gerade wenn man den Ball hat.
Das sprach Streich auch auf der Pressekonferenz vor dem Spiel an und ließ durchblicken, dass man sich etwas überlegt hätte. Was man sich als Antwort auf die für einen Aufsteiger ungewöhnliche Spielweise überlegt hatte, blieb aber im Dunkeln. Weiterlesen

SC Freiburg – FSV Mainz 05 3 : 0

1. Aufstellung

Nach einer gefühlt sehr langen Sommerpause ging es an diesem Wochenende also wieder los. Der SC Freiburg konnte schon früh seinen Kader punktuell mit Kwon, Jeong, Itter und Schmid verstärken. Qualität in der Spitze ging durch den Abgang von Grifo verloren. In der Breite sind die Leihen von Keven Schlotterbeck und Stenzel zu Union Berlin und Stuttgart zu nennen. Der Verlauf der Vorbereitung brachte einerseits einige Verletzte (Haberer, Kwon, Jeong, Flekken, Itter, Terrazzino, Kleindienst und Kübler (letzten beiden schon letzte Saison)) mit sich, andererseits konnten sich manche in den Fokus spielen, von denen man es nicht unbedingt erwartet hatte. Höler knüpfte an seine kontinuierliche Entwicklung an und Borrello – der Gewinner der Vorbereitung – zeigte seine Dynamik. Neben der Systemfrage gab es im Spiel gegen Mainz also nur eine personelle Entscheidung, die sich nicht wirklich angedeutet hatte. Der als gesetzt erwartete Heintz musste auf der Bank Platz nehmen und für ihn spielte Nico Schlotterbeck. Der verletzte Haberer wurde wie schon beim Pokalspiel im Zentrum arbeitsteilig von Gondorf und Frantz ersetzt.
Streich wählte gegen Mainz ein 3-4-3:
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Der SC Freiburg unter Christian Streich – „Mir wolle de Ball habbe“, sehen aber ein, dass das nicht immer möglich ist.

Dies ist der Eröffnungstext des Blogs „Zerstreuung Fußball“ aus der Sommerpause 2017. Er enthält eine grundsätzliche Kritik an den verbreiteten Mythen zum SC Freiburg und die Beschreibung der taktischen Entwicklung von der Abstiegssaison bis zum Erreichen des 7. Platzes in der Saison 2016/17.

Inhalt:

1. Der Bioladen der Liga
2. Exkurs: Der gute Bundesligafan applaudiert Christian Streich
3. Die Sensation: Der Aufsteiger auf Platz sieben
3.1 Allgemeines zum SC Freiburg unter Streich
3.2 Die Abstiegssaison
3.3 Der SC Freiburg in der 2. Bundesliga
3.4 Wieder Bundesliga
3.5 Fazit

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Spodcast Freiburg

Für einen Saisonabschluss war ich gemeinsam mit @Nokraut (Twitter) beim Spodcast Freiburg zu Gast. Es ist eine sehr lange Folge geworden. Ich übernehme die Beschreibung von der Spodcast-Seite:

„Unter anderem sprachen wir über…

… die Bewertung der Saison
… eine ganze Fülle an Statistiken
… die taktischen Entwicklungen
… die Verletzungen dieser Saison
… eine ausführliche Spielerbewertung
… die Bewertung der Transfers 2018
… die Bewertung des Trainerteams
… die Schiedrichterleistungen / VAR
… die ausgeliehenen Spieler
… Transfergerüchte und -wünsche
… einen Ausblick auf nächste Saison
… die anderen Mannschaften des SC
… und vieles mehr!“

Hier geht es zur Folge.

Videobeweis und Gerechtigkeit

Der Text entstand 2017 oder 2018 und wurde nun leicht überarbeitet. Er gehört in die Rubrik „Allgemeine Texte“.

 

1. Ein Twittergespräch

„Vorschlag: Den großen Begriff der ‚Gerechtigkeit’ aus der Diskussion nehmen. ‚Minimierung der Fehlentscheidungen’ reicht eigentlich aus.“

Vielleicht ahnen schon manche den Kontext. Dieser Tweet entstand innerhalb eines typischen Meinungsaustausches, ob der Videobeweis den Fußball nun wirklich gerechter macht oder nicht. Die konsequenten Videobeweisbefürworter würden das selbstverständlich bejahen und die Gegner dieser Technik verneinen. Diese beiden Pappkameraden, die nicht wirklich in dieser Diskussion auf Twitter anwesend waren, scheinen sich zumindest darüber einig zu sein, dass es beim Videobeweis um Gerechtigkeit geht. Und das soll aber hier infrage gestellt werden.
Der Grund dafür liegt aber nicht darin, dass der Begriff, wie ich getwittert habe, einfach nur zu „groß“ für dieses Thema wäre. Auch „Strafe“ ist ein großer Begriff und lässt sich trotzdem hervorragend im Kontext der Schiedsrichterei benutzen. Es muss wohl etwas anderes sein. Weiterlesen

1. Bundesliga: Fazit der einzelnen Mannschaften (Platz 10-18)

Ich kann die These nirgendwo unterbringen, also vorneweg: Die Hinrunde war qualitativ besser als die Rückrunde. Die Schwächephasen von Dortmund, Gladbach, Frankfurt, Berlin usw. trübten ein wenig den Abschluss der doch eigentlich recht schönen Saison.

Hier die kommentierte Tabelle, Plätze 10-18. Weiterlesen